Mittwoch, 9. Dezember 2015
"Ich"
Eigentlich weiß ich nicht so recht, was ich nun schreiben soll. Mal wieder drehen die Gedanken im Kopf, sie drehen sich und drehen sich... aber ein vorran ist nicht zu sehen.
Ich will endlich wieder leben!
Alles dreht sich nun noch um ihn, jede Frage nach "Wie geht es dir" muß ich mit einen naja beantworten. Immer wieder kann ich nur sagen, dass es gute und schlechte Tage gibt, und mit jedem schlechten Tag reißt es mich ein wenig tiefer. Mir fehlt immer mehr die Kraft, woher soll ich auch neue aufbauen? Fortschritte sehe ich nicht, an der Arbeit nörgelt er nur rum. Die Tatsache, das Beruf und Hobby gleichermaßen gestrichen sind macht ihn fertig, jeden Hinweis auf neue Hobbys ignoriert er. Neuerdings hat er sich in den Kopf gesetzt, bei einer veränderten politischen Lage nochmal für die Demokratie zu kämpfen. Kämpfen für Demokratie.. er kämpft nicht für sein eigenes LEben, nicht für sich, für uns als Familie, als Paar oder für seine Kinder... aber fürs Vaterland... ich weiß nicht ob kotzen oder heulen die bessere Reaktion ist. Ich bin wütend, ja! Und endtäuscht. Alles was wir jemals für ihn waren steht grad hinter dem Scheffel der Bundeswehr. Er hat einen Antrag auf Wiedereinstellung gestellt und es geht nun etwas vorran.. ich gehe davon aus, dass er seine Arbeitsstelle aufgeben wird und spätestens im April, Mai nächsten Jahres wieder beim Bund ist.
Es scheint wie eine Droge zu sein, PSychologen nennen es Stockholm Syndrom, meine ich.. ich muß es mal googeln... der Schänder steht auf einmal als der große Retter da. Alles wird in seinen Augen wieder gut, wenn er im Schoß der Bundeswehr zurück ist. Die haben ihm die Mutti ersetzt und jetzt, wo jemand von ihm verlangt eigenständig zu sein, muß er zurück in Muttis Schoß. Ich fühle mich schrecklich so zu denken. Er hat nun soo viele Kontakte zu anderen Veteranen, keinem geht es besser als ihm.. alle bewundern ihn, dass seine Ehe hält und ich ihm beistehe.. aber tue ich das noch?
´Bin ich nicht nur zu feige für eine Trennung? Wenn ich 75 % arbeite und Lohnsteuerklasse 2 habe, dann reicht es knapp zum überleben für mich und die Kinder.. ja ich hab das alles nachgelesen. Ich habe sogar nach Wohnungen geguckt.. aber die Kinder aus ihrem Umfeld reißen? Sie haben so viel mitgemacht, sich grade erst wieder ein wenig gefangen.... natürlich,eine traurige Mutter und ein kranker Vater ist auf Dauer auch kein schönes Umfeld, das weiß ich auch... aber Scheidungskind zu sein ist ein LEben lang gestraft.. das weiß ich aus eigener Erfahrung.
Würde er sich überhaupt um die Kinder kümmern.. vermutlich würde er erst seine Krankeit und dann die Arbeit vorschieben.. würde ich ihm die Kinder in dem Zustand überhaupt anvertrauen? Wir wissen beide, dass es eine Entscheidung für den Rest des LEbens der Kinder ist, wenn wir uns trennen... ist es das, was uns abhält?
Will er überhaupt noch? Liebt er mich überhaupt noch, oder verharrt er neben mir, weil er zu feige ist, tschüß zu sagen?
Er hat nun eine neue Therapeutin... Therapieansatz klappe die 4. Es passt sehr gut, das sagt er nun zum 3. mal... ich hoffe sehr, dass es ihm hilft und mir endlich last von den Schultern nimmt. Zuerst sollen seine Ängste angegangen werden... das ist akut. Ich befürchte leider, dass die Ehe inszwischen genau so akut ist. Eigentlich würde ich mir auch gern Hilfe holen, ich zögere wegen der Belastung mit Kindern, Haushalt, Job, Studium, Hund und krankem Mann. Und dann möchte ich mein Studium ja noch abschließen... kann ich da noch mehr bewältigen. Ich bin mir absolut sicher, dass ich mit den Kindern in absehbarer Zeit allein da stehen werden, entweder weil mein Mann stationär geht, wir uns trennen oder er sich umbringt. Auf jeden fall gehts dabei um ihn.
Ostern ist die Buchvorstellung, die beduetet mir sehr viel. Eigentlich wollten wir zusammen hin, aber er schwankt, weil es ihm vielleicht zu anstrengend wird.... es geht um ihn, nicht um mich. Es geht immer um ihn, nie um mich. Ich möchte weg, einfach weg von hier und den ganzen Erinnerungen...

Arbeiten könnte ich zr Zeit fast überall, aber wenn ich gehe, dann geht er nicht mit. Seine Burg ist das Haus...
Was tue ich nur... ? Bleibe ich im Schatten eines kranken Mannes nur um die Ehe für die Kinder zu retten? Und da drehen sie sich wieder im Kreis, die blöden Gedanken. Und ich weiß genau, heute nachmittag kommen die Kinder nach Hause und ich werde funktionieren.. und heute abend kommt mein Mann nach hause und ich werden den arsch zusammen kneifen und funktionieren.....
Ich werde unseren Alltag meistern, meine Probleme allein klären und jedem , der es wagt kritisch zu fragen kampfbereit gegenüber stehen.
Ich mag mich nicht mehr und mag mich so nicht mehr sehen .. auch nicht hören ...
Ich will wieder ICH sein, lachen und Spaß haben, Leben und meine Träume leben.... wie ich es mir seit meiner Jugend vorgenommen habe...

Erst hatte ich den Beitrag heute "Leer" genannt... ich werde ihn umbennen.. ich "ich"... denn, wenn schon keiner nach mir fragt, oder sich um mich kümmert, dann sollte wenigstens ich das an dieser Stelle tun.. danke fürs zuhören!

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An der University of Wisconsin-Madison haben Wissenschaftler in einer Pilotstudie untersucht, ob amerikanischen Kriegsveteranen mit PTBS (Afghanistan, Irak) durch bestimmte Yoga-Atemtechniken geholfen werden kann. Im August 2014 veröffentlichten sie die Ergebnisse im Journal of Traumatic Stress: Breathing-Based Meditation Decreases Posttraumatic Stress Disorder Symptoms in U.S. Military Veterans: A Randomized Controlled Longitudinal Study (August 2014, 27, 397–405).

Das Ergebnis war, dass die Atemtechniken des Sudarshan Kriya Yoga sehr effektiv war, die Teilnehmer verringerten ihre PTBS-Symptome und Angst, auch die Atemfrequenz wurde ruhiger. "Sudarshan Kriya Yoga zeigte die stärkste Wirkung auf die Übererregungs- und Wiedererlebens-Symptome, und im Einklang mit Verbesserungen in der Übererregungssymptome auch auf generalisierte Angstsymptome und Erregung." Die Studie zeigte, dass die Atemübungen auch mehr brachte als Meditationen, die in anderen wissenschaftlichen Studien untersucht wurden (und wenig Effekt zeigten). Die Forscher vermuteten, dass langes Stillsitzen in der Stille für PTBS-Betroffene mit einem hohem Grad an Erregung und Angst auch schwierig ist. Atemübungen sind eine strukturierte Aktivität, über eine kontrollierte Atmung lassen sich auch Emotionen wie Angst kontrollieren.

Die Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT) berichtet über eine Pilotstudie, bei der traumatisierte Frauen mit klinischen und subklinischen PTBS-Symptomen Kripalu Yoga-Übungen absolvierten und ihre Symptome damit reduzierten.

Vielleicht wäre das ein Weg - wenn Ihr Mann sich nicht darauf einlassen möchte, dann vielleicht für Sie. Sie leiden unter der PTBS Ihres Mannes ja genauso sehr. Je nachdem wie alt Ihre Kinder sind, kommt vielleicht auch ein Yogakurs für Kinder in Frage.

Ich fand auch noch zwei Fachbücher, die vielleicht interessant sein könnten:

Trauma-Yoga: Heilung durch sorgsame Körperarbeit

Yoga in der Traumatherapie

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