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Mittwoch, 18. November 2015
Anschläge und Berichterstattung.. Folgen auch für Veteranen
mata, 10:22h
In den letzten Wochen ging es meinem Mann sichtlich besser. Er arbeitet wieder und kann sich dort im Rahmen seiner Möglichkeiten recht frei entfalten. Der Satz mag komisch klingen, wenn man aber beachtet welche Fähigkeiten alle eingeschränkt sind, so muß ich schreiben : Im Rahmen seiner Möglichkeiten.
Nach wie vor sind seine Merk- und Konzentrationsfähigkeit stark eingeschränkt, was er selbst merkt und ihn sehr stört. Es fällt ihm außerdem sehr schwer, sich in andere Menschen zu versetzen, im Fachjargon nennt sich das Empathiefähigkeit : sich in die Lage und Situation einer anderen Person zu versetzen und für einen Moment dessen Lage und Sichtweise nachzuvollziehen. Das fällt ihm schwer und macht den Umgang mit Kollegen nicht einfacher.
Er hat auch immernoch einige Schwierigkeiten sich und seinen Tag zu strukturieren. Allgemein kann ich für meinen Mann sagen, die PTBS schränkt seine Fähigkeit zum strukturieren, analysieren und organisieren ein.
Versetzt man sich nun in die Lage, in der er zum Zeitpunkt der Traumatisierungen war, so wird deutlich, dass der Körper und das Hirn in der Situation vermutlich nicht mehr in der Lage waren, das Handeln mit analytischem und kritischen Denkweisen zu reflektieren.. das hätte er vermutlich schlicht weg nicht überlebt. Diese Schutzfunktion des Hirns hat ihm sein Leben gerettet, damals und tut es vermutlich bis heute.
Zurück zum Thema: Die Arbeit tut ihm gut und gefällt ihm sehr, er wirkte ruhiger und etwas entspannter. Sein Blutdruck sank, er unternahm viel mir Kindern, die Nutzung des Handys zum ablenken und betäuben nahm ab.... Endlich kehrte ein bischen Normaliät zurück und ich kann kaum beschreiben, wie sehr ich die Zeit genossen habe.
Doch am Freitag dann die Nachichten von den Terroranschlägen in Paris. Angst und Schrecken, und das quasi vor der Tür. Die Zeitungen, das Fernsehen und auch das Internet sind voll von Spekulationen, Berichten, Hintergrundinfos... Eine Flut an Informationen prasselt auf uns alle ein. Diese Flut muß irgendwie bewältigt werden. In meinem Kopf funktioniert das nach analytischem und strukturiertem Prinzip: Welche Infos kommen von wo, zu welchem Zeitpunkt. Welche Informationen schätze ich als realistische Nachrichten ein und was sind schnelle, ungeprüfte Vorabinfos von nicht recherchierten Quellen.. Besteht eine akute Gefahrenlage für mich und meine Familie? So arbeitet mein Hirn, schätzt ab, wägt ab, schätzt ein und beurteilt. Entsprechend kann ich reagieren.. und ja auch ich fühle mich manchmal hilflos bei den Bildern und Geschehnissen.
Aber wie läuft die Info bei meinem einsatzgeschädigten Mann ab, dessen Hirn aus den Erlebnissen gelernt hat, dass es besser ist nicht alles zu strukturieren und zu analysieren, welches gelernt hat, das die Gefahr immerzu da ist... das es keinen ruhigen Moment gibt, dass man sich schützen muß und jeder Fremde zu einer lebensbedrohlichen Gefahr werden kann? Das es kein nachvollziehbares Handeln für Grausamkeiten gibt, weil er die Grausamkeiten gefühlt und gesehen hat...
Denn genau das war im Einsatz die Realität.
Ich kann meinen Mann nur von außen beschreiben, denn was in ihm vorgeht, das teilt er nicht mit mir. Er wirkt wieder angespannt, schläft schlechter, hat Nackenschmerzen und Verspannungen. Auf Nachfrage, wie er es wahrnimmt, berichtet er mir ganz Sanitäterlike : Naja, mein Blutdruck ist wieder höher.
Ok, ich erkenne mehr daraus: Er trennt wieder die Realität von Emotionen, von unterdrückten Emotionen, denn das ihn die Geschehnisse mitnehmen ist mehr als deutlich. Die Augen sind leerer, die Motivation gedämpft. Er redet fast ausschließlich von der Arbeit, nicht von der Welt. Immer wieder hängt er beim durchzappen im Fernsehen auf Berichten fest, von Soldaten, von Terror, von Toten und Verletzten und deren leidenden Familien. Ich kann die Bilder selber nicht mehr sehen, es belastet mich.. wie vermutlich jeden Menschen. Bis vor einer Woche war er in der Lage bei diesen Berichten weiter zu zappen, um sich zu schützen. Er kommentierte manchmal sogar , dass er das nicht sehen mag. Jetzt ist er wieder wie gefesselt. Sitzt regungslos vorm Fernsehen, unfähig zu reagieren.
Bisher hatte er noch keine Flashbacks seit Sommer.. es wirkt auf mich, als könnte es nun wieder jeden Moment so weit sein. Er scheint die Kontrolle über sich und seine Erinnerungen wieder zu verlieren. Ich habe mit ihm geredet, ihn auf diese "Gefahr" hingewiesen.. ich sehe erste Krisenanzeichen und habe das Bedürfnis dringend mit ihm zu sprechen, was wir dann tun sollen. Wie sollen wir damit umgehen, wie können wir ihm helfen.
Ich hasse die Welt für das, was gerade passiert. Für die Berichterstattung vor der man gar nicht fliehen kann, für die Angst, die unsere Kinder nun haben. Für das, was uns nun bevorsteht...
In der letzten Woche haben sich an 2 verschiedenen Tagen, 2 Menschen vor einen ICE geworfen.. ich kann mur mutmaßen, was nur mit den Menschen und ihrer Umgebung los ist, damit sie zu solchen Handlungen fähig sind. Wie verzweifelt die Menschen sein müssen.
Wie würde ich reagieren, wenn ich Kriegszustände hautnah miterlebt hätte, mein Leben sich vieleicht halbwegs normaliesiert hätte.. und ich dann wieder von der Gefahr eines Krieges in meinem unmittelbaren Lebensraum hören und lesen muss.....
Egal ob ich von Flüchtlingen, Soldaten und ehemaligen Soldaten oder der Weltkriegsgeneration spreche.. was muß in diesen Menschen vorgehen, wenn sie den Fernseher einschalten?
Der eine verabschiedet sich in Akohol und Drogen, um das Erlebte zu betäuben, der andere dissozieert sich (er spaltet seine Emotionen von der Realität) und wieder andere nehmen sich das Leben.
Gibt es Hilfe für diese Menschen und deren hilflosen Angehörigen, für deren Mütter und Väter, Kinder und Geschwister, Partner, Freunde, vielleicht auch Vorgesetzte... ? Nein, sie stehen allein und hilflos daneben. Professionelle Unterstützung gibt es nicht.
Mit wem kann ich reden, gemeinsam mit meinem Mann? Wem können auch die Kinder ihre Sorgen anvertrauen, der auch die Sorgen der Eltern kennt?
Ich habe so eine Anlaufstelle noch nicht gefunden. Leider..
Ich habe Angst vor dem, was nun kommt. Was ist, wenn es in Deutschland passiert? Wie reagiert mein Mann, ist er dann noch Teil unserer Familie, sind wir dann noch eine Familie mit Familienstrukturen,die sich gegenseitig halten und stützen?
Meine Gedanken kreisen wieder, und es fällt mir schwer mich auf den Alltag zu konzentrieren. Aber ich komme einer Lösung näher... und ich lasse es alle Leser und Interessierte wissen...
Nach wie vor sind seine Merk- und Konzentrationsfähigkeit stark eingeschränkt, was er selbst merkt und ihn sehr stört. Es fällt ihm außerdem sehr schwer, sich in andere Menschen zu versetzen, im Fachjargon nennt sich das Empathiefähigkeit : sich in die Lage und Situation einer anderen Person zu versetzen und für einen Moment dessen Lage und Sichtweise nachzuvollziehen. Das fällt ihm schwer und macht den Umgang mit Kollegen nicht einfacher.
Er hat auch immernoch einige Schwierigkeiten sich und seinen Tag zu strukturieren. Allgemein kann ich für meinen Mann sagen, die PTBS schränkt seine Fähigkeit zum strukturieren, analysieren und organisieren ein.
Versetzt man sich nun in die Lage, in der er zum Zeitpunkt der Traumatisierungen war, so wird deutlich, dass der Körper und das Hirn in der Situation vermutlich nicht mehr in der Lage waren, das Handeln mit analytischem und kritischen Denkweisen zu reflektieren.. das hätte er vermutlich schlicht weg nicht überlebt. Diese Schutzfunktion des Hirns hat ihm sein Leben gerettet, damals und tut es vermutlich bis heute.
Zurück zum Thema: Die Arbeit tut ihm gut und gefällt ihm sehr, er wirkte ruhiger und etwas entspannter. Sein Blutdruck sank, er unternahm viel mir Kindern, die Nutzung des Handys zum ablenken und betäuben nahm ab.... Endlich kehrte ein bischen Normaliät zurück und ich kann kaum beschreiben, wie sehr ich die Zeit genossen habe.
Doch am Freitag dann die Nachichten von den Terroranschlägen in Paris. Angst und Schrecken, und das quasi vor der Tür. Die Zeitungen, das Fernsehen und auch das Internet sind voll von Spekulationen, Berichten, Hintergrundinfos... Eine Flut an Informationen prasselt auf uns alle ein. Diese Flut muß irgendwie bewältigt werden. In meinem Kopf funktioniert das nach analytischem und strukturiertem Prinzip: Welche Infos kommen von wo, zu welchem Zeitpunkt. Welche Informationen schätze ich als realistische Nachrichten ein und was sind schnelle, ungeprüfte Vorabinfos von nicht recherchierten Quellen.. Besteht eine akute Gefahrenlage für mich und meine Familie? So arbeitet mein Hirn, schätzt ab, wägt ab, schätzt ein und beurteilt. Entsprechend kann ich reagieren.. und ja auch ich fühle mich manchmal hilflos bei den Bildern und Geschehnissen.
Aber wie läuft die Info bei meinem einsatzgeschädigten Mann ab, dessen Hirn aus den Erlebnissen gelernt hat, dass es besser ist nicht alles zu strukturieren und zu analysieren, welches gelernt hat, das die Gefahr immerzu da ist... das es keinen ruhigen Moment gibt, dass man sich schützen muß und jeder Fremde zu einer lebensbedrohlichen Gefahr werden kann? Das es kein nachvollziehbares Handeln für Grausamkeiten gibt, weil er die Grausamkeiten gefühlt und gesehen hat...
Denn genau das war im Einsatz die Realität.
Ich kann meinen Mann nur von außen beschreiben, denn was in ihm vorgeht, das teilt er nicht mit mir. Er wirkt wieder angespannt, schläft schlechter, hat Nackenschmerzen und Verspannungen. Auf Nachfrage, wie er es wahrnimmt, berichtet er mir ganz Sanitäterlike : Naja, mein Blutdruck ist wieder höher.
Ok, ich erkenne mehr daraus: Er trennt wieder die Realität von Emotionen, von unterdrückten Emotionen, denn das ihn die Geschehnisse mitnehmen ist mehr als deutlich. Die Augen sind leerer, die Motivation gedämpft. Er redet fast ausschließlich von der Arbeit, nicht von der Welt. Immer wieder hängt er beim durchzappen im Fernsehen auf Berichten fest, von Soldaten, von Terror, von Toten und Verletzten und deren leidenden Familien. Ich kann die Bilder selber nicht mehr sehen, es belastet mich.. wie vermutlich jeden Menschen. Bis vor einer Woche war er in der Lage bei diesen Berichten weiter zu zappen, um sich zu schützen. Er kommentierte manchmal sogar , dass er das nicht sehen mag. Jetzt ist er wieder wie gefesselt. Sitzt regungslos vorm Fernsehen, unfähig zu reagieren.
Bisher hatte er noch keine Flashbacks seit Sommer.. es wirkt auf mich, als könnte es nun wieder jeden Moment so weit sein. Er scheint die Kontrolle über sich und seine Erinnerungen wieder zu verlieren. Ich habe mit ihm geredet, ihn auf diese "Gefahr" hingewiesen.. ich sehe erste Krisenanzeichen und habe das Bedürfnis dringend mit ihm zu sprechen, was wir dann tun sollen. Wie sollen wir damit umgehen, wie können wir ihm helfen.
Ich hasse die Welt für das, was gerade passiert. Für die Berichterstattung vor der man gar nicht fliehen kann, für die Angst, die unsere Kinder nun haben. Für das, was uns nun bevorsteht...
In der letzten Woche haben sich an 2 verschiedenen Tagen, 2 Menschen vor einen ICE geworfen.. ich kann mur mutmaßen, was nur mit den Menschen und ihrer Umgebung los ist, damit sie zu solchen Handlungen fähig sind. Wie verzweifelt die Menschen sein müssen.
Wie würde ich reagieren, wenn ich Kriegszustände hautnah miterlebt hätte, mein Leben sich vieleicht halbwegs normaliesiert hätte.. und ich dann wieder von der Gefahr eines Krieges in meinem unmittelbaren Lebensraum hören und lesen muss.....
Egal ob ich von Flüchtlingen, Soldaten und ehemaligen Soldaten oder der Weltkriegsgeneration spreche.. was muß in diesen Menschen vorgehen, wenn sie den Fernseher einschalten?
Der eine verabschiedet sich in Akohol und Drogen, um das Erlebte zu betäuben, der andere dissozieert sich (er spaltet seine Emotionen von der Realität) und wieder andere nehmen sich das Leben.
Gibt es Hilfe für diese Menschen und deren hilflosen Angehörigen, für deren Mütter und Väter, Kinder und Geschwister, Partner, Freunde, vielleicht auch Vorgesetzte... ? Nein, sie stehen allein und hilflos daneben. Professionelle Unterstützung gibt es nicht.
Mit wem kann ich reden, gemeinsam mit meinem Mann? Wem können auch die Kinder ihre Sorgen anvertrauen, der auch die Sorgen der Eltern kennt?
Ich habe so eine Anlaufstelle noch nicht gefunden. Leider..
Ich habe Angst vor dem, was nun kommt. Was ist, wenn es in Deutschland passiert? Wie reagiert mein Mann, ist er dann noch Teil unserer Familie, sind wir dann noch eine Familie mit Familienstrukturen,die sich gegenseitig halten und stützen?
Meine Gedanken kreisen wieder, und es fällt mir schwer mich auf den Alltag zu konzentrieren. Aber ich komme einer Lösung näher... und ich lasse es alle Leser und Interessierte wissen...
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