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Mittwoch, 9. Dezember 2015
geht wieder... nee.. echt
mata, 11:33h
Nichtmal eine Stunde später... 30 Minuten heulen und lesen einiger Angehörigentagebücher später geht es mir etwas besser. Der Gedankenkreislauf ist erstmal gestoppt.. neue Bewältigungsstrategien gesucht... manchmal bin ich stolz auf mich selber... wie kann man nur so oft wieder aufstehen...?!
Danke an all die Soldatenfrauen für die offene Art zu schreiben.. und ein Satz ist mir dabei am meisten im Kopf geblieben, festgesetzt und hat mich aufgemuntert: Auch wir können die Zeit nicht zurückdrehen und das neue, was uns überrumpelt hat aus unseren Erlebnissen verbannen.
Danke!
Wie oft habe ich meinem Mann schon gesagt, dass ihm die Bilder nicht genommen werden können. Erlebtes ist erlebt, aber man kann leben es ins Leben und dessen Biografie zu übernehmen.
Ich habe nun also Kontakt zu der Bundeswehr.. das muß ich mir erstmal eingestehen.. ich alter Kriegsgegener muß mich mit dem Verein nun auseinander setzen und er gehört nun zu meinem LEben. Längst hat es meine Studienschwerpunkte beeinflusst und damit hätte ich eigentlich schon merken müssen, dass es nun unweigerlich zu meinem LEben dazu gehört.
Also habe ich nun das nächste Familienbetreuungszentrum angerufen.. irgendwie muß ich nun die Bundeswehr in mein LEben lassen.. hab ich ja mit meinem Mann schon irgendwie..
Ich glaube diese Erkenntnis ist neu für mich und neu auch für die Bundeswehr.. aufeinmal suchen Menschen von außerhalb Anlaufstellen bei der BW...
Schon länger habe ich das Problem, das Freunde und Familie unsere Situation nicht nachvollziehen und verstehen können. Besonders das auf und ab.. es scheint als erwarte jeder, dass es doch nun auch mal besser werden würde.... aber das ist nicht so.
Es gibt gute Tage und schlechte Tage.. und ich brauche Menschen, die das nachvollziehen können. Da sich mein Freundeskreis in den letzten Jahren eh minimiert hat, wird es wohl Zeit für neue Ufer... neue Kontakte...
Neues Jahr, neues Leben......
Und ich werde Zeit brauchen und mich entscheiden müssen, ob ich das so kann.
Danke an all die Soldatenfrauen für die offene Art zu schreiben.. und ein Satz ist mir dabei am meisten im Kopf geblieben, festgesetzt und hat mich aufgemuntert: Auch wir können die Zeit nicht zurückdrehen und das neue, was uns überrumpelt hat aus unseren Erlebnissen verbannen.
Danke!
Wie oft habe ich meinem Mann schon gesagt, dass ihm die Bilder nicht genommen werden können. Erlebtes ist erlebt, aber man kann leben es ins Leben und dessen Biografie zu übernehmen.
Ich habe nun also Kontakt zu der Bundeswehr.. das muß ich mir erstmal eingestehen.. ich alter Kriegsgegener muß mich mit dem Verein nun auseinander setzen und er gehört nun zu meinem LEben. Längst hat es meine Studienschwerpunkte beeinflusst und damit hätte ich eigentlich schon merken müssen, dass es nun unweigerlich zu meinem LEben dazu gehört.
Also habe ich nun das nächste Familienbetreuungszentrum angerufen.. irgendwie muß ich nun die Bundeswehr in mein LEben lassen.. hab ich ja mit meinem Mann schon irgendwie..
Ich glaube diese Erkenntnis ist neu für mich und neu auch für die Bundeswehr.. aufeinmal suchen Menschen von außerhalb Anlaufstellen bei der BW...
Schon länger habe ich das Problem, das Freunde und Familie unsere Situation nicht nachvollziehen und verstehen können. Besonders das auf und ab.. es scheint als erwarte jeder, dass es doch nun auch mal besser werden würde.... aber das ist nicht so.
Es gibt gute Tage und schlechte Tage.. und ich brauche Menschen, die das nachvollziehen können. Da sich mein Freundeskreis in den letzten Jahren eh minimiert hat, wird es wohl Zeit für neue Ufer... neue Kontakte...
Neues Jahr, neues Leben......
Und ich werde Zeit brauchen und mich entscheiden müssen, ob ich das so kann.
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"Ich"
mata, 10:25h
Eigentlich weiß ich nicht so recht, was ich nun schreiben soll. Mal wieder drehen die Gedanken im Kopf, sie drehen sich und drehen sich... aber ein vorran ist nicht zu sehen.
Ich will endlich wieder leben!
Alles dreht sich nun noch um ihn, jede Frage nach "Wie geht es dir" muß ich mit einen naja beantworten. Immer wieder kann ich nur sagen, dass es gute und schlechte Tage gibt, und mit jedem schlechten Tag reißt es mich ein wenig tiefer. Mir fehlt immer mehr die Kraft, woher soll ich auch neue aufbauen? Fortschritte sehe ich nicht, an der Arbeit nörgelt er nur rum. Die Tatsache, das Beruf und Hobby gleichermaßen gestrichen sind macht ihn fertig, jeden Hinweis auf neue Hobbys ignoriert er. Neuerdings hat er sich in den Kopf gesetzt, bei einer veränderten politischen Lage nochmal für die Demokratie zu kämpfen. Kämpfen für Demokratie.. er kämpft nicht für sein eigenes LEben, nicht für sich, für uns als Familie, als Paar oder für seine Kinder... aber fürs Vaterland... ich weiß nicht ob kotzen oder heulen die bessere Reaktion ist. Ich bin wütend, ja! Und endtäuscht. Alles was wir jemals für ihn waren steht grad hinter dem Scheffel der Bundeswehr. Er hat einen Antrag auf Wiedereinstellung gestellt und es geht nun etwas vorran.. ich gehe davon aus, dass er seine Arbeitsstelle aufgeben wird und spätestens im April, Mai nächsten Jahres wieder beim Bund ist.
Es scheint wie eine Droge zu sein, PSychologen nennen es Stockholm Syndrom, meine ich.. ich muß es mal googeln... der Schänder steht auf einmal als der große Retter da. Alles wird in seinen Augen wieder gut, wenn er im Schoß der Bundeswehr zurück ist. Die haben ihm die Mutti ersetzt und jetzt, wo jemand von ihm verlangt eigenständig zu sein, muß er zurück in Muttis Schoß. Ich fühle mich schrecklich so zu denken. Er hat nun soo viele Kontakte zu anderen Veteranen, keinem geht es besser als ihm.. alle bewundern ihn, dass seine Ehe hält und ich ihm beistehe.. aber tue ich das noch?
´Bin ich nicht nur zu feige für eine Trennung? Wenn ich 75 % arbeite und Lohnsteuerklasse 2 habe, dann reicht es knapp zum überleben für mich und die Kinder.. ja ich hab das alles nachgelesen. Ich habe sogar nach Wohnungen geguckt.. aber die Kinder aus ihrem Umfeld reißen? Sie haben so viel mitgemacht, sich grade erst wieder ein wenig gefangen.... natürlich,eine traurige Mutter und ein kranker Vater ist auf Dauer auch kein schönes Umfeld, das weiß ich auch... aber Scheidungskind zu sein ist ein LEben lang gestraft.. das weiß ich aus eigener Erfahrung.
Würde er sich überhaupt um die Kinder kümmern.. vermutlich würde er erst seine Krankeit und dann die Arbeit vorschieben.. würde ich ihm die Kinder in dem Zustand überhaupt anvertrauen? Wir wissen beide, dass es eine Entscheidung für den Rest des LEbens der Kinder ist, wenn wir uns trennen... ist es das, was uns abhält?
Will er überhaupt noch? Liebt er mich überhaupt noch, oder verharrt er neben mir, weil er zu feige ist, tschüß zu sagen?
Er hat nun eine neue Therapeutin... Therapieansatz klappe die 4. Es passt sehr gut, das sagt er nun zum 3. mal... ich hoffe sehr, dass es ihm hilft und mir endlich last von den Schultern nimmt. Zuerst sollen seine Ängste angegangen werden... das ist akut. Ich befürchte leider, dass die Ehe inszwischen genau so akut ist. Eigentlich würde ich mir auch gern Hilfe holen, ich zögere wegen der Belastung mit Kindern, Haushalt, Job, Studium, Hund und krankem Mann. Und dann möchte ich mein Studium ja noch abschließen... kann ich da noch mehr bewältigen. Ich bin mir absolut sicher, dass ich mit den Kindern in absehbarer Zeit allein da stehen werden, entweder weil mein Mann stationär geht, wir uns trennen oder er sich umbringt. Auf jeden fall gehts dabei um ihn.
Ostern ist die Buchvorstellung, die beduetet mir sehr viel. Eigentlich wollten wir zusammen hin, aber er schwankt, weil es ihm vielleicht zu anstrengend wird.... es geht um ihn, nicht um mich. Es geht immer um ihn, nie um mich. Ich möchte weg, einfach weg von hier und den ganzen Erinnerungen...
Arbeiten könnte ich zr Zeit fast überall, aber wenn ich gehe, dann geht er nicht mit. Seine Burg ist das Haus...
Was tue ich nur... ? Bleibe ich im Schatten eines kranken Mannes nur um die Ehe für die Kinder zu retten? Und da drehen sie sich wieder im Kreis, die blöden Gedanken. Und ich weiß genau, heute nachmittag kommen die Kinder nach Hause und ich werde funktionieren.. und heute abend kommt mein Mann nach hause und ich werden den arsch zusammen kneifen und funktionieren.....
Ich werde unseren Alltag meistern, meine Probleme allein klären und jedem , der es wagt kritisch zu fragen kampfbereit gegenüber stehen.
Ich mag mich nicht mehr und mag mich so nicht mehr sehen .. auch nicht hören ...
Ich will wieder ICH sein, lachen und Spaß haben, Leben und meine Träume leben.... wie ich es mir seit meiner Jugend vorgenommen habe...
Erst hatte ich den Beitrag heute "Leer" genannt... ich werde ihn umbennen.. ich "ich"... denn, wenn schon keiner nach mir fragt, oder sich um mich kümmert, dann sollte wenigstens ich das an dieser Stelle tun.. danke fürs zuhören!
Ich will endlich wieder leben!
Alles dreht sich nun noch um ihn, jede Frage nach "Wie geht es dir" muß ich mit einen naja beantworten. Immer wieder kann ich nur sagen, dass es gute und schlechte Tage gibt, und mit jedem schlechten Tag reißt es mich ein wenig tiefer. Mir fehlt immer mehr die Kraft, woher soll ich auch neue aufbauen? Fortschritte sehe ich nicht, an der Arbeit nörgelt er nur rum. Die Tatsache, das Beruf und Hobby gleichermaßen gestrichen sind macht ihn fertig, jeden Hinweis auf neue Hobbys ignoriert er. Neuerdings hat er sich in den Kopf gesetzt, bei einer veränderten politischen Lage nochmal für die Demokratie zu kämpfen. Kämpfen für Demokratie.. er kämpft nicht für sein eigenes LEben, nicht für sich, für uns als Familie, als Paar oder für seine Kinder... aber fürs Vaterland... ich weiß nicht ob kotzen oder heulen die bessere Reaktion ist. Ich bin wütend, ja! Und endtäuscht. Alles was wir jemals für ihn waren steht grad hinter dem Scheffel der Bundeswehr. Er hat einen Antrag auf Wiedereinstellung gestellt und es geht nun etwas vorran.. ich gehe davon aus, dass er seine Arbeitsstelle aufgeben wird und spätestens im April, Mai nächsten Jahres wieder beim Bund ist.
Es scheint wie eine Droge zu sein, PSychologen nennen es Stockholm Syndrom, meine ich.. ich muß es mal googeln... der Schänder steht auf einmal als der große Retter da. Alles wird in seinen Augen wieder gut, wenn er im Schoß der Bundeswehr zurück ist. Die haben ihm die Mutti ersetzt und jetzt, wo jemand von ihm verlangt eigenständig zu sein, muß er zurück in Muttis Schoß. Ich fühle mich schrecklich so zu denken. Er hat nun soo viele Kontakte zu anderen Veteranen, keinem geht es besser als ihm.. alle bewundern ihn, dass seine Ehe hält und ich ihm beistehe.. aber tue ich das noch?
´Bin ich nicht nur zu feige für eine Trennung? Wenn ich 75 % arbeite und Lohnsteuerklasse 2 habe, dann reicht es knapp zum überleben für mich und die Kinder.. ja ich hab das alles nachgelesen. Ich habe sogar nach Wohnungen geguckt.. aber die Kinder aus ihrem Umfeld reißen? Sie haben so viel mitgemacht, sich grade erst wieder ein wenig gefangen.... natürlich,eine traurige Mutter und ein kranker Vater ist auf Dauer auch kein schönes Umfeld, das weiß ich auch... aber Scheidungskind zu sein ist ein LEben lang gestraft.. das weiß ich aus eigener Erfahrung.
Würde er sich überhaupt um die Kinder kümmern.. vermutlich würde er erst seine Krankeit und dann die Arbeit vorschieben.. würde ich ihm die Kinder in dem Zustand überhaupt anvertrauen? Wir wissen beide, dass es eine Entscheidung für den Rest des LEbens der Kinder ist, wenn wir uns trennen... ist es das, was uns abhält?
Will er überhaupt noch? Liebt er mich überhaupt noch, oder verharrt er neben mir, weil er zu feige ist, tschüß zu sagen?
Er hat nun eine neue Therapeutin... Therapieansatz klappe die 4. Es passt sehr gut, das sagt er nun zum 3. mal... ich hoffe sehr, dass es ihm hilft und mir endlich last von den Schultern nimmt. Zuerst sollen seine Ängste angegangen werden... das ist akut. Ich befürchte leider, dass die Ehe inszwischen genau so akut ist. Eigentlich würde ich mir auch gern Hilfe holen, ich zögere wegen der Belastung mit Kindern, Haushalt, Job, Studium, Hund und krankem Mann. Und dann möchte ich mein Studium ja noch abschließen... kann ich da noch mehr bewältigen. Ich bin mir absolut sicher, dass ich mit den Kindern in absehbarer Zeit allein da stehen werden, entweder weil mein Mann stationär geht, wir uns trennen oder er sich umbringt. Auf jeden fall gehts dabei um ihn.
Ostern ist die Buchvorstellung, die beduetet mir sehr viel. Eigentlich wollten wir zusammen hin, aber er schwankt, weil es ihm vielleicht zu anstrengend wird.... es geht um ihn, nicht um mich. Es geht immer um ihn, nie um mich. Ich möchte weg, einfach weg von hier und den ganzen Erinnerungen...
Arbeiten könnte ich zr Zeit fast überall, aber wenn ich gehe, dann geht er nicht mit. Seine Burg ist das Haus...
Was tue ich nur... ? Bleibe ich im Schatten eines kranken Mannes nur um die Ehe für die Kinder zu retten? Und da drehen sie sich wieder im Kreis, die blöden Gedanken. Und ich weiß genau, heute nachmittag kommen die Kinder nach Hause und ich werde funktionieren.. und heute abend kommt mein Mann nach hause und ich werden den arsch zusammen kneifen und funktionieren.....
Ich werde unseren Alltag meistern, meine Probleme allein klären und jedem , der es wagt kritisch zu fragen kampfbereit gegenüber stehen.
Ich mag mich nicht mehr und mag mich so nicht mehr sehen .. auch nicht hören ...
Ich will wieder ICH sein, lachen und Spaß haben, Leben und meine Träume leben.... wie ich es mir seit meiner Jugend vorgenommen habe...
Erst hatte ich den Beitrag heute "Leer" genannt... ich werde ihn umbennen.. ich "ich"... denn, wenn schon keiner nach mir fragt, oder sich um mich kümmert, dann sollte wenigstens ich das an dieser Stelle tun.. danke fürs zuhören!
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Mittwoch, 18. November 2015
Anschläge und Berichterstattung.. Folgen auch für Veteranen
mata, 10:22h
In den letzten Wochen ging es meinem Mann sichtlich besser. Er arbeitet wieder und kann sich dort im Rahmen seiner Möglichkeiten recht frei entfalten. Der Satz mag komisch klingen, wenn man aber beachtet welche Fähigkeiten alle eingeschränkt sind, so muß ich schreiben : Im Rahmen seiner Möglichkeiten.
Nach wie vor sind seine Merk- und Konzentrationsfähigkeit stark eingeschränkt, was er selbst merkt und ihn sehr stört. Es fällt ihm außerdem sehr schwer, sich in andere Menschen zu versetzen, im Fachjargon nennt sich das Empathiefähigkeit : sich in die Lage und Situation einer anderen Person zu versetzen und für einen Moment dessen Lage und Sichtweise nachzuvollziehen. Das fällt ihm schwer und macht den Umgang mit Kollegen nicht einfacher.
Er hat auch immernoch einige Schwierigkeiten sich und seinen Tag zu strukturieren. Allgemein kann ich für meinen Mann sagen, die PTBS schränkt seine Fähigkeit zum strukturieren, analysieren und organisieren ein.
Versetzt man sich nun in die Lage, in der er zum Zeitpunkt der Traumatisierungen war, so wird deutlich, dass der Körper und das Hirn in der Situation vermutlich nicht mehr in der Lage waren, das Handeln mit analytischem und kritischen Denkweisen zu reflektieren.. das hätte er vermutlich schlicht weg nicht überlebt. Diese Schutzfunktion des Hirns hat ihm sein Leben gerettet, damals und tut es vermutlich bis heute.
Zurück zum Thema: Die Arbeit tut ihm gut und gefällt ihm sehr, er wirkte ruhiger und etwas entspannter. Sein Blutdruck sank, er unternahm viel mir Kindern, die Nutzung des Handys zum ablenken und betäuben nahm ab.... Endlich kehrte ein bischen Normaliät zurück und ich kann kaum beschreiben, wie sehr ich die Zeit genossen habe.
Doch am Freitag dann die Nachichten von den Terroranschlägen in Paris. Angst und Schrecken, und das quasi vor der Tür. Die Zeitungen, das Fernsehen und auch das Internet sind voll von Spekulationen, Berichten, Hintergrundinfos... Eine Flut an Informationen prasselt auf uns alle ein. Diese Flut muß irgendwie bewältigt werden. In meinem Kopf funktioniert das nach analytischem und strukturiertem Prinzip: Welche Infos kommen von wo, zu welchem Zeitpunkt. Welche Informationen schätze ich als realistische Nachrichten ein und was sind schnelle, ungeprüfte Vorabinfos von nicht recherchierten Quellen.. Besteht eine akute Gefahrenlage für mich und meine Familie? So arbeitet mein Hirn, schätzt ab, wägt ab, schätzt ein und beurteilt. Entsprechend kann ich reagieren.. und ja auch ich fühle mich manchmal hilflos bei den Bildern und Geschehnissen.
Aber wie läuft die Info bei meinem einsatzgeschädigten Mann ab, dessen Hirn aus den Erlebnissen gelernt hat, dass es besser ist nicht alles zu strukturieren und zu analysieren, welches gelernt hat, das die Gefahr immerzu da ist... das es keinen ruhigen Moment gibt, dass man sich schützen muß und jeder Fremde zu einer lebensbedrohlichen Gefahr werden kann? Das es kein nachvollziehbares Handeln für Grausamkeiten gibt, weil er die Grausamkeiten gefühlt und gesehen hat...
Denn genau das war im Einsatz die Realität.
Ich kann meinen Mann nur von außen beschreiben, denn was in ihm vorgeht, das teilt er nicht mit mir. Er wirkt wieder angespannt, schläft schlechter, hat Nackenschmerzen und Verspannungen. Auf Nachfrage, wie er es wahrnimmt, berichtet er mir ganz Sanitäterlike : Naja, mein Blutdruck ist wieder höher.
Ok, ich erkenne mehr daraus: Er trennt wieder die Realität von Emotionen, von unterdrückten Emotionen, denn das ihn die Geschehnisse mitnehmen ist mehr als deutlich. Die Augen sind leerer, die Motivation gedämpft. Er redet fast ausschließlich von der Arbeit, nicht von der Welt. Immer wieder hängt er beim durchzappen im Fernsehen auf Berichten fest, von Soldaten, von Terror, von Toten und Verletzten und deren leidenden Familien. Ich kann die Bilder selber nicht mehr sehen, es belastet mich.. wie vermutlich jeden Menschen. Bis vor einer Woche war er in der Lage bei diesen Berichten weiter zu zappen, um sich zu schützen. Er kommentierte manchmal sogar , dass er das nicht sehen mag. Jetzt ist er wieder wie gefesselt. Sitzt regungslos vorm Fernsehen, unfähig zu reagieren.
Bisher hatte er noch keine Flashbacks seit Sommer.. es wirkt auf mich, als könnte es nun wieder jeden Moment so weit sein. Er scheint die Kontrolle über sich und seine Erinnerungen wieder zu verlieren. Ich habe mit ihm geredet, ihn auf diese "Gefahr" hingewiesen.. ich sehe erste Krisenanzeichen und habe das Bedürfnis dringend mit ihm zu sprechen, was wir dann tun sollen. Wie sollen wir damit umgehen, wie können wir ihm helfen.
Ich hasse die Welt für das, was gerade passiert. Für die Berichterstattung vor der man gar nicht fliehen kann, für die Angst, die unsere Kinder nun haben. Für das, was uns nun bevorsteht...
In der letzten Woche haben sich an 2 verschiedenen Tagen, 2 Menschen vor einen ICE geworfen.. ich kann mur mutmaßen, was nur mit den Menschen und ihrer Umgebung los ist, damit sie zu solchen Handlungen fähig sind. Wie verzweifelt die Menschen sein müssen.
Wie würde ich reagieren, wenn ich Kriegszustände hautnah miterlebt hätte, mein Leben sich vieleicht halbwegs normaliesiert hätte.. und ich dann wieder von der Gefahr eines Krieges in meinem unmittelbaren Lebensraum hören und lesen muss.....
Egal ob ich von Flüchtlingen, Soldaten und ehemaligen Soldaten oder der Weltkriegsgeneration spreche.. was muß in diesen Menschen vorgehen, wenn sie den Fernseher einschalten?
Der eine verabschiedet sich in Akohol und Drogen, um das Erlebte zu betäuben, der andere dissozieert sich (er spaltet seine Emotionen von der Realität) und wieder andere nehmen sich das Leben.
Gibt es Hilfe für diese Menschen und deren hilflosen Angehörigen, für deren Mütter und Väter, Kinder und Geschwister, Partner, Freunde, vielleicht auch Vorgesetzte... ? Nein, sie stehen allein und hilflos daneben. Professionelle Unterstützung gibt es nicht.
Mit wem kann ich reden, gemeinsam mit meinem Mann? Wem können auch die Kinder ihre Sorgen anvertrauen, der auch die Sorgen der Eltern kennt?
Ich habe so eine Anlaufstelle noch nicht gefunden. Leider..
Ich habe Angst vor dem, was nun kommt. Was ist, wenn es in Deutschland passiert? Wie reagiert mein Mann, ist er dann noch Teil unserer Familie, sind wir dann noch eine Familie mit Familienstrukturen,die sich gegenseitig halten und stützen?
Meine Gedanken kreisen wieder, und es fällt mir schwer mich auf den Alltag zu konzentrieren. Aber ich komme einer Lösung näher... und ich lasse es alle Leser und Interessierte wissen...
Nach wie vor sind seine Merk- und Konzentrationsfähigkeit stark eingeschränkt, was er selbst merkt und ihn sehr stört. Es fällt ihm außerdem sehr schwer, sich in andere Menschen zu versetzen, im Fachjargon nennt sich das Empathiefähigkeit : sich in die Lage und Situation einer anderen Person zu versetzen und für einen Moment dessen Lage und Sichtweise nachzuvollziehen. Das fällt ihm schwer und macht den Umgang mit Kollegen nicht einfacher.
Er hat auch immernoch einige Schwierigkeiten sich und seinen Tag zu strukturieren. Allgemein kann ich für meinen Mann sagen, die PTBS schränkt seine Fähigkeit zum strukturieren, analysieren und organisieren ein.
Versetzt man sich nun in die Lage, in der er zum Zeitpunkt der Traumatisierungen war, so wird deutlich, dass der Körper und das Hirn in der Situation vermutlich nicht mehr in der Lage waren, das Handeln mit analytischem und kritischen Denkweisen zu reflektieren.. das hätte er vermutlich schlicht weg nicht überlebt. Diese Schutzfunktion des Hirns hat ihm sein Leben gerettet, damals und tut es vermutlich bis heute.
Zurück zum Thema: Die Arbeit tut ihm gut und gefällt ihm sehr, er wirkte ruhiger und etwas entspannter. Sein Blutdruck sank, er unternahm viel mir Kindern, die Nutzung des Handys zum ablenken und betäuben nahm ab.... Endlich kehrte ein bischen Normaliät zurück und ich kann kaum beschreiben, wie sehr ich die Zeit genossen habe.
Doch am Freitag dann die Nachichten von den Terroranschlägen in Paris. Angst und Schrecken, und das quasi vor der Tür. Die Zeitungen, das Fernsehen und auch das Internet sind voll von Spekulationen, Berichten, Hintergrundinfos... Eine Flut an Informationen prasselt auf uns alle ein. Diese Flut muß irgendwie bewältigt werden. In meinem Kopf funktioniert das nach analytischem und strukturiertem Prinzip: Welche Infos kommen von wo, zu welchem Zeitpunkt. Welche Informationen schätze ich als realistische Nachrichten ein und was sind schnelle, ungeprüfte Vorabinfos von nicht recherchierten Quellen.. Besteht eine akute Gefahrenlage für mich und meine Familie? So arbeitet mein Hirn, schätzt ab, wägt ab, schätzt ein und beurteilt. Entsprechend kann ich reagieren.. und ja auch ich fühle mich manchmal hilflos bei den Bildern und Geschehnissen.
Aber wie läuft die Info bei meinem einsatzgeschädigten Mann ab, dessen Hirn aus den Erlebnissen gelernt hat, dass es besser ist nicht alles zu strukturieren und zu analysieren, welches gelernt hat, das die Gefahr immerzu da ist... das es keinen ruhigen Moment gibt, dass man sich schützen muß und jeder Fremde zu einer lebensbedrohlichen Gefahr werden kann? Das es kein nachvollziehbares Handeln für Grausamkeiten gibt, weil er die Grausamkeiten gefühlt und gesehen hat...
Denn genau das war im Einsatz die Realität.
Ich kann meinen Mann nur von außen beschreiben, denn was in ihm vorgeht, das teilt er nicht mit mir. Er wirkt wieder angespannt, schläft schlechter, hat Nackenschmerzen und Verspannungen. Auf Nachfrage, wie er es wahrnimmt, berichtet er mir ganz Sanitäterlike : Naja, mein Blutdruck ist wieder höher.
Ok, ich erkenne mehr daraus: Er trennt wieder die Realität von Emotionen, von unterdrückten Emotionen, denn das ihn die Geschehnisse mitnehmen ist mehr als deutlich. Die Augen sind leerer, die Motivation gedämpft. Er redet fast ausschließlich von der Arbeit, nicht von der Welt. Immer wieder hängt er beim durchzappen im Fernsehen auf Berichten fest, von Soldaten, von Terror, von Toten und Verletzten und deren leidenden Familien. Ich kann die Bilder selber nicht mehr sehen, es belastet mich.. wie vermutlich jeden Menschen. Bis vor einer Woche war er in der Lage bei diesen Berichten weiter zu zappen, um sich zu schützen. Er kommentierte manchmal sogar , dass er das nicht sehen mag. Jetzt ist er wieder wie gefesselt. Sitzt regungslos vorm Fernsehen, unfähig zu reagieren.
Bisher hatte er noch keine Flashbacks seit Sommer.. es wirkt auf mich, als könnte es nun wieder jeden Moment so weit sein. Er scheint die Kontrolle über sich und seine Erinnerungen wieder zu verlieren. Ich habe mit ihm geredet, ihn auf diese "Gefahr" hingewiesen.. ich sehe erste Krisenanzeichen und habe das Bedürfnis dringend mit ihm zu sprechen, was wir dann tun sollen. Wie sollen wir damit umgehen, wie können wir ihm helfen.
Ich hasse die Welt für das, was gerade passiert. Für die Berichterstattung vor der man gar nicht fliehen kann, für die Angst, die unsere Kinder nun haben. Für das, was uns nun bevorsteht...
In der letzten Woche haben sich an 2 verschiedenen Tagen, 2 Menschen vor einen ICE geworfen.. ich kann mur mutmaßen, was nur mit den Menschen und ihrer Umgebung los ist, damit sie zu solchen Handlungen fähig sind. Wie verzweifelt die Menschen sein müssen.
Wie würde ich reagieren, wenn ich Kriegszustände hautnah miterlebt hätte, mein Leben sich vieleicht halbwegs normaliesiert hätte.. und ich dann wieder von der Gefahr eines Krieges in meinem unmittelbaren Lebensraum hören und lesen muss.....
Egal ob ich von Flüchtlingen, Soldaten und ehemaligen Soldaten oder der Weltkriegsgeneration spreche.. was muß in diesen Menschen vorgehen, wenn sie den Fernseher einschalten?
Der eine verabschiedet sich in Akohol und Drogen, um das Erlebte zu betäuben, der andere dissozieert sich (er spaltet seine Emotionen von der Realität) und wieder andere nehmen sich das Leben.
Gibt es Hilfe für diese Menschen und deren hilflosen Angehörigen, für deren Mütter und Väter, Kinder und Geschwister, Partner, Freunde, vielleicht auch Vorgesetzte... ? Nein, sie stehen allein und hilflos daneben. Professionelle Unterstützung gibt es nicht.
Mit wem kann ich reden, gemeinsam mit meinem Mann? Wem können auch die Kinder ihre Sorgen anvertrauen, der auch die Sorgen der Eltern kennt?
Ich habe so eine Anlaufstelle noch nicht gefunden. Leider..
Ich habe Angst vor dem, was nun kommt. Was ist, wenn es in Deutschland passiert? Wie reagiert mein Mann, ist er dann noch Teil unserer Familie, sind wir dann noch eine Familie mit Familienstrukturen,die sich gegenseitig halten und stützen?
Meine Gedanken kreisen wieder, und es fällt mir schwer mich auf den Alltag zu konzentrieren. Aber ich komme einer Lösung näher... und ich lasse es alle Leser und Interessierte wissen...
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Mittwoch, 23. September 2015
Verantwortung für ein anderes Leben tragen
mata, 12:25h
Warum schreibe ich heute mal wieder.. so lange habe ich hier nicht geschrieben.
Ging es meinem Mann besser? Nein , nicht wirklich, aber es gab immer wieder Hoffnung. Die Umschulung, auf die er sich so gefreut hatte, die seine ganze Hoffnung war... sie wird nicht unterstützt.
Die Rentenversicherung hat ihn genau genommen kaputt geschrieben... keine körperlich anstrengenden Arbeiten, nicht in Höhe, nicht auf Leitern, nicht im Außendienst, nicht in Schichtdienst, nicht bei Temperaturschwankungen, nicht bei Nässe oder Kälte, nicht in stressigen Situationen, nicht in verantwortungsvollen Positionen mit Verantwortung für andere Menschen...
Ich bin kein völliger Experte, aber ich habe in der Vermittlung behinderter Personen in Arbeit zu tun gehabt... was soll er denn arbeiten? Frührente, um zu Hause zu sitzen und einen Flaskbackfilm nach dem anderen fahren? Hinzu kommt die Angst, die er hat, sich in neue Berufe zu wagen, neues zu lernen. Seinem Kopf traut er keine neuen Aufgaben zu. Der Kopf ist für ihn kaputt.
Als es ihm dann so schlecht ging, eröffnete er mir, dass er bereits ein oder zweilmal über Suizid nachgedacht hat... sich einfach aus dem Leben zu löschen..........................
Mit dem Wissen darf ich nun also weiter leben. Von diesen Momenten habe ich nichts bemerkt. Er wirkte auf mich wie immer, zeitweise machte er den Eindruck sich besser zu fühlen.
Sport macht er nicht, eigentlich macht er nur selten irgendwas. Meistens hängt er am Handy.. schreibt in den sozialen Netzwerken mit anderen Betroffenen. Es hält ihn, so wie er sagt, ein bischen oben, dass es anderen noch schlechter geht und andere noch mehr verloren haben.
Die Kinder beschweren sich, der Papa sitze immer vorm Handy.
Ich beschwere mich nun nicht mehr viel.. alles was ich sage bringt ihn aus seiner inneren Ruhe. Ich will nicht im Mittelpunkt stehen, aber ich tue es.
Streiten wir, dann denkt er an Suizid. Äußere ich Kritik, dann macht er sich selber nieder. Eine normale Beziehung ist doch gar nicht mehr möglich.
Es ist doch so normal auch mal zu streiten, anderer Meinung zu sein.. sich auszutauschen...
Ich gucke keinen Tatort mehr, zu viele Tote... über Nachrichten zu sprechen ist wie laufen auf rohen Eiern... kann immer die Angst schüren, dass es wieder Krieg gibt.
Er hat Angst um mich, wenn ich in großen Städten bin. Er hat Angst um mich, wenn ich Strßenbahn oder Zug fahre. Er hat Angst um mich, wenn ich mich unter Menschenmassen bewege. Er sieht überall die Gefahr, und er projeziert all das auf mich! Aber ICH habe keine Angst...
Ich kann mit ihm nicht mehr über die Demenzerkrankung meiner Oma sprechen.. obwohl mir das so sehr am Herzen liegt. Sie ist als Kriegskind selbst schwer an einer PTBS erkrankt, und erlebt die Kriegsjahre nun immer wieder von neuem. Wenn er das sieht, dann hat er Angst vor seiner Zukunft....
Ich bewege mich wie ein PingPongBall zwischen den ganzen Einschränkungen. Mit jedem "falschen" Thema bewegt er sich ein bischen weiter zurück in seine Welt.. die Welt der PTBS. Die Welt mit anderen Betroffenen, dabei reflektiert er sein eigenes Verhalten nicht.
Heute ist der Bundeswehr, ein hat ein Lotsengespräch und hofft auf eine Schutzfrist... damit er eine Therapie machen kann... sich wieder einfinden kann.
Ich traue mich nicht, den Gedanken zu wagen, dass die Therapie vielleicht nicht den gewünschten Erfolg haben wird. Was ist dann?
Inzwischen habe ich den Medikamentenschrank leer geräumt... Blutdruckmedikamente, Muskelrelaxatien, Opiate, Schmerzmittel. Vermutlich der Standartmedizinschrank eines PTBSkranken. Alle diese Mediakemte eignen sich zum Suizid... ich habe Hälfte versteckt.. als hätte ich ein drittes Kind.
Wenn er unterwegs ist, habe ich Angst, dass er sich etwas antut und nicht zurück kommt.
Soll ich Hilfe wagen, kann ich ihn so sehr bevormunden, dass ich Hilfe einschalte?! Wann ist der richtige Zeitpunkt? Wann ist es zu spät?
Er hatte mir immer geschworen, dass er nicht über Selbstmord nachdenke... aber nun ist das anders. Nun hat er darüber nachgedacht... und mit der Verantwortung muß ich nun leben.
Verantwortung für sein eigenes Leben übernimmt mein Mann schon lange nicht mehr.........
Ging es meinem Mann besser? Nein , nicht wirklich, aber es gab immer wieder Hoffnung. Die Umschulung, auf die er sich so gefreut hatte, die seine ganze Hoffnung war... sie wird nicht unterstützt.
Die Rentenversicherung hat ihn genau genommen kaputt geschrieben... keine körperlich anstrengenden Arbeiten, nicht in Höhe, nicht auf Leitern, nicht im Außendienst, nicht in Schichtdienst, nicht bei Temperaturschwankungen, nicht bei Nässe oder Kälte, nicht in stressigen Situationen, nicht in verantwortungsvollen Positionen mit Verantwortung für andere Menschen...
Ich bin kein völliger Experte, aber ich habe in der Vermittlung behinderter Personen in Arbeit zu tun gehabt... was soll er denn arbeiten? Frührente, um zu Hause zu sitzen und einen Flaskbackfilm nach dem anderen fahren? Hinzu kommt die Angst, die er hat, sich in neue Berufe zu wagen, neues zu lernen. Seinem Kopf traut er keine neuen Aufgaben zu. Der Kopf ist für ihn kaputt.
Als es ihm dann so schlecht ging, eröffnete er mir, dass er bereits ein oder zweilmal über Suizid nachgedacht hat... sich einfach aus dem Leben zu löschen..........................
Mit dem Wissen darf ich nun also weiter leben. Von diesen Momenten habe ich nichts bemerkt. Er wirkte auf mich wie immer, zeitweise machte er den Eindruck sich besser zu fühlen.
Sport macht er nicht, eigentlich macht er nur selten irgendwas. Meistens hängt er am Handy.. schreibt in den sozialen Netzwerken mit anderen Betroffenen. Es hält ihn, so wie er sagt, ein bischen oben, dass es anderen noch schlechter geht und andere noch mehr verloren haben.
Die Kinder beschweren sich, der Papa sitze immer vorm Handy.
Ich beschwere mich nun nicht mehr viel.. alles was ich sage bringt ihn aus seiner inneren Ruhe. Ich will nicht im Mittelpunkt stehen, aber ich tue es.
Streiten wir, dann denkt er an Suizid. Äußere ich Kritik, dann macht er sich selber nieder. Eine normale Beziehung ist doch gar nicht mehr möglich.
Es ist doch so normal auch mal zu streiten, anderer Meinung zu sein.. sich auszutauschen...
Ich gucke keinen Tatort mehr, zu viele Tote... über Nachrichten zu sprechen ist wie laufen auf rohen Eiern... kann immer die Angst schüren, dass es wieder Krieg gibt.
Er hat Angst um mich, wenn ich in großen Städten bin. Er hat Angst um mich, wenn ich Strßenbahn oder Zug fahre. Er hat Angst um mich, wenn ich mich unter Menschenmassen bewege. Er sieht überall die Gefahr, und er projeziert all das auf mich! Aber ICH habe keine Angst...
Ich kann mit ihm nicht mehr über die Demenzerkrankung meiner Oma sprechen.. obwohl mir das so sehr am Herzen liegt. Sie ist als Kriegskind selbst schwer an einer PTBS erkrankt, und erlebt die Kriegsjahre nun immer wieder von neuem. Wenn er das sieht, dann hat er Angst vor seiner Zukunft....
Ich bewege mich wie ein PingPongBall zwischen den ganzen Einschränkungen. Mit jedem "falschen" Thema bewegt er sich ein bischen weiter zurück in seine Welt.. die Welt der PTBS. Die Welt mit anderen Betroffenen, dabei reflektiert er sein eigenes Verhalten nicht.
Heute ist der Bundeswehr, ein hat ein Lotsengespräch und hofft auf eine Schutzfrist... damit er eine Therapie machen kann... sich wieder einfinden kann.
Ich traue mich nicht, den Gedanken zu wagen, dass die Therapie vielleicht nicht den gewünschten Erfolg haben wird. Was ist dann?
Inzwischen habe ich den Medikamentenschrank leer geräumt... Blutdruckmedikamente, Muskelrelaxatien, Opiate, Schmerzmittel. Vermutlich der Standartmedizinschrank eines PTBSkranken. Alle diese Mediakemte eignen sich zum Suizid... ich habe Hälfte versteckt.. als hätte ich ein drittes Kind.
Wenn er unterwegs ist, habe ich Angst, dass er sich etwas antut und nicht zurück kommt.
Soll ich Hilfe wagen, kann ich ihn so sehr bevormunden, dass ich Hilfe einschalte?! Wann ist der richtige Zeitpunkt? Wann ist es zu spät?
Er hatte mir immer geschworen, dass er nicht über Selbstmord nachdenke... aber nun ist das anders. Nun hat er darüber nachgedacht... und mit der Verantwortung muß ich nun leben.
Verantwortung für sein eigenes Leben übernimmt mein Mann schon lange nicht mehr.........
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