Donnerstag, 21. Januar 2016
Trennung... Reißleine
was soll ich sagen, Dienstag war es klar. Es geht nicht mehr. Er fühlt nicht mehr, nicht für mich und nicht für die Kinder. Es tut ihm auch nicht weh, dass ich mich getrennt habe und er kann auch nicht mehr kämpfen.
Ich schlafe nun im alten Zimmer unserer Tochter... es fühlt sich soo elend an.
Er soll weg! Das zog sich durch meine Woche. Jeden Tag, den er vor mir steht, macht er mehr kaputt. Er kann sich nicht 5 Minuten für uns Zeit nehmen, aber Stunden fürs Internet, für die Auflistung seines Leidensweges, welche er an einen Politiker gereicht hat... und wir gehen langsam vor die Hunde.
Die Kinder reagieren nur langsam. Lange schon reden sie, 7 und 8 Jahre alt, erzählen sie ihrem Papa, dass er nur noch für sein Handy Zeit hat und gar nicht mehr für sie. Die Tochter sagt, er interessiert sich nicht für sie. Der Junge ist manchmal so verzweifelt, dass er sich selbst schlägt. Und Er sitzt nur da. Wenn man ihm Anforderungen stellt, versucht er sie abzuarbeiten.
Neue Stelle, LKW-Führerschein und gleichzeitig Bad renovieren... er nimmt alles gleichzeitig an, kann seine Zeit und sein Leben nicht mehr steuern.
Er reagiert auf gar nichts mehr, weil er Angst hat Wut zu fühlen... also fühlt er lieber nichts...

Es ist so unvorstellbar schlimm, den Menschen, den man liebt so zu sehen.

Ich habe die Reißleine gezogen. Ihm gesagt er soll gehen.. jetzt!
In 4 Tagen wird er sich einweisen lassen... ein guter Freund fährt ihn. Das war ein sehr langer Weg. Erste Info war: Erst gehe ich zum Hausarzt, der überweist zum Nervenarzt, der dann in die Psychiatrie. Zu lang!!
Zweite Info:Mitte Februar gehe ich stationär. Ich brach innerlich zusammen... 4Wochen gemeinsam in einem Haus, ich habe keine Rückzugsmöglichgkeit und die Kinder versuchen uns zu überreden, wir sollten uns wieder lieben....
Jetzt geht er in 4 Tagen... ich habe alle Hilfen aktiviert, die ich kenne. Alleinerziehenden Beratung, (das Jugendamt lasse ich noch außen vor... ich habe Angst), Militärkirchliche Familienbetreuung (Danke!!), Freunde, meine Familie... Kinderarzt, Hausarzt..

Eine Kur will ich beantragen, damit ich wieder ins Leben finde. Der Abstand tut schon jetzt gut. Ich habe mich so sehr verändert: nicht mehr bei Freunden angerufen, nicht mehr raus gegangen.. immer in der Angst ihn nicht allein zu lassen, immer in der Angst vielleicht einen schönen Moment zu verpassen... wo es doch so viele schlimme Momente gab.......
Es ist so viel liegen geblieben, alles drehte sich nur noch um seine Krankheit. Ich habe mich um nichts anderes mehr kümmern können. Nur noch um ihn. Drehte es sich mal nicht um seine Krankheit, dann erinnerte spätestens am Abend sein Verhalten daran.

Vielleicht haßt er mich auch einfach nur. Vielleicht fühlt er nichts für mich, weil er mich einfach nicht mehr liebt. Vielleicht hängt er nur noch am Handy, damit er uns nicht ertragen muß.... oder er betäubt sich dort, so wie er es mir gesagt hat.

Ich bewege mich hin und her, mein Körper hat mir längst gezeigt, dass ich nicht mehr handlungsfähig bin. Seit dem Zusammenbruch kämpfe ich immer wieder mit psychischem Zittern - Tremor - nennt es sich. Manchmal zittert nur eine Hand oder ein Arm, manchmal der ganze Körper. Mit der Lippenbremse komme ich wieder runter, wenn ich merke, dass meine Atmung hektisch wird... und ich war immer ein starker Mensch. Seit einer Woche habe ich auch dauerhaft einen trockenen Mund, trotz dass ich keine Medikamte nehme... mir bleibt sprichwörtlich die Spucke weg. Auf mein Studium kann ich mich nicht mehr konzentrieren, meine Gedanken kaum sammeln.
Und immer Alltag immer wieder diese Frage : Wie geht es dir? Noch schlimmer, wie geht es euch?
Was sagt man, wenn der Mann in der Psychiatrie ist... sagt man noch Mann oder sagt man Exmann...

Ich würde uns so gern eine Chance geben, aber will er die auch noch? Er sagt ja... meine Angst vor Zurückweisung ist riesig... die Trennung reiner Selbstschutz, um nicht selbst so verletzt zu werden.....

Es wird ein langer Weg zurück ins Leben werden, aber ich versuche hier darüber zu schreiben... und vielleicht schafft es mal die ganze Geschichte zu einem Buch... ich glaube, ich bin mit diesen ganzen Gefühlen und Erfahrungen nicht allein!

... link (0 Kommentare)   ... comment


Sonntag, 17. Januar 2016
Es scheint das Ende zu kommen...
.. und es tut so wahnsinnig weh. Gerne würde ich berichten, dass es meinem Mann besser geht und ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist... das Ende was ich so sehr erhofft habe und immer darauf hin gearbeitet, nein gewünscht, habe.
Aber es ist nicht eingetreten. Er hat einen Werkzeugkoffer voll Möglichkeiten, echtes Handwerkszeug, um mit seiner Erkrankung umzugehen.. um wieder ins Leben zurück zu finden. Aber nimmt es nicht an.
Er sagt, er liebt mich, aber er fühlt nicht. Als ich ihm sagte, dass ich die Trennung will, tat es ihm nicht weh.. es berührt ihn nicht... es bewegt ihn nicht. Als stünde er in einer Zeitschleife... nicht bewegungsfähig.
Es versteift in mir immer mehr das Gefühl, dass er vor mir weg läuft und mich weg wünscht. Leider kann ich nicht so schnell gehen, wie er es hofft. Am liebsten würde ich mich grad auf einen anderen Planeten wünsche, weit weg von all den Problemen, weit weg von ihm. Wie sagt man das den Kindern ? Was wird aus dem Haus? Was wird aus der Zukunft? Warum kann er nicht einfach gehen... Warum kann er mir nichtmal sagen, dass er mich nicht mehr liebt. Warum sagt er mir nicht, dass er die Trennung will... Warum muß ich all diese Entscheidungen treffen... und mich wieder schuldig fühlen?

Schuld ist das Wort, was sich doch mein Angehörigenleben zieht.. Schuld und Schuldgefühle.
Wut.. und Verzweiflung..

Ich will wieder leben!
Ich frage mich, ob Trennungnen immer so weh tun und mit so vielen schmerzlichen Verlusten verbunden sein müssen. Ich nehme den Kindern ihr Zimmer, ihren Garten, ihre Nachbarsfreunde... sie werden ihre Heimat verlieren... so wie ich es als Kind auch erlebte.. wird er sich um die Kindern kümmern, wird es überhaupt können? Wird er Verantwortung für sich und sein Leben übernehmen können?

Die Veränderungen der Kinder zu sehen, es tut so weh.
Alles tut weh.
Ich muß mich und die Kinder schützen, Verantwortung übernehmen... ich brauche eine Auszeit.. aber wie...

Etwas habe ich so schmerzlich lernen müssen... einem Menschen kann man nicht helfen, man kann ihm Wege zeigen.... gehen muß er allein. Und mein Mann scheint nicht gehen zu wollen. .. oder nur ohne mich.. Warum bin ich es ihm nicht mal mehr wert, mir das ehrlich zu sagen?
Immer wieder laß ich davon, dass die Ehen der Veteranen kaputt gehen, ich wollte es besser machen. Warum stelle ich einen soo hohen Anspruch an mich? Wie dumm war der Gedanke............................................................................................................................

... link (0 Kommentare)   ... comment


Donnerstag, 31. Dezember 2015
Feiertage oder Spießrutenlauf und Zusammenbruch
Nun liegen die meisten Feiertage des Jahres hinter uns. Meinem Mann geht es eigentlich gut..soweit halt. Weihnachten gleicht jedoch eher einem Spießrutenlauf. Warum?
Wegen den Fragen... es gibt Fragen, die sind für die meisten Menschen eine nette Floskel, aber für mich eher ein Disaster.
Und immer wieder kommt diese eine Frage: Hallo, na wie geht es dir/euch/ deinem Mann?

Klar, für die meisten ist das eine Höflichkeitsfloskel.. in anderen Sprachen gehört sie zur Begrüßung schon bligatorisch dazu.. aber innerhalb der Familie ist sie doch meist eine Interessensfrage.. und die stellt mich immer wieder vor Hürden, denn sie erinnert mich jedesmal daran, dass es bei uns eben nicht normal ist.
Die meisten Menschen können eine solche Frage mit einem kurzen "Danke, gut" oder "naja, läuft" beantworten... meine Standartantwort ist inzwischen "Es gibt gute und schlechte Tage" ...
Ja.. so lässt sich er Zustand zu Hause am Besten beschreiben .. es gibt gute und schlechte Tage.
Oft werde ich auch gefragt " wie geht es deinem Mann?" Eigentlich beschissen, aber wollen die Leute das ernsthaft hören? Ein " den Umständen entsprechend" klingt für mich irgendwie angebrachter... und schützt mich vor weiteren Nachfragen.
Für alle die es wissen wollen : Es geht mir scheiße.. genau so wie auch meinem Mann! Es gitba ber Tage, an denen ist es auszuhalten.. und es gibt Tage an denen ist es ein Spießrutenlauf! An jeder Ecke lauert eine falsche Erinnerung, jede Frage kann die falsche sein, jeder Fernsehbericht oder jedes Lied im Radio ein Trigger... Jeder Bericht im Radio kann dann zu viel sein... mal für meinen Mann, mal für mich.
Oft weiß ich nicht, was ihn belastet und wann ihn etwas belastet.. das macht mich unsicher.. und dann fühlt es sich an, als bewege man sich auf rohen Eiern... immer Ansgt etwas falsches zu sagen, übertrieben zu reagieren oder mal wieder etwas nicht mitzubekommen..

Ich würde mir von Freuden und Familien etwas wünschen: Wenn ihr mich trefft, fragt mich bitte nicht nebeher wie es mir/uns geht.... und wenn wir alle zusammen sitzen.. dann fragt bitte nicht, was wir für das nächste Jahr geplant haben oder wie etwas weiter geht!! Das weiß ich nicht. Das weiß mein Mann nicht. Es ist mehr so, das wir uns treiben lassen, von dem, was die Zukunft so bringt.

Natürlich kommen nun wieder schwerere Tage, es ist Silvester... einem Böller musste mein Mann gestern abend schon mit dem "Gedankenstopp" begegnen. Bisher hatte er das so weggesteckt.. erst zum Jahreswechsel war es zuviel... nun reichte ein einziger Böller.. was erwartet mich/ uns heute Nacht? Ich weiß es nicht, also bewege ich mich den gazen Tag wieder wie auf rohen Eiern.. er wirkt abgelenkt... stürzt sich in Arbeit.. mal sehen wie lang es geht.

Auf dem dörflichen Weihanchtsmarkt war er zusammengebrochen... Erinnerungen... Danach wirkte er trotzdem entspannter.. vielleicht lässt er es nun zu? Drückt nicht mehr alles weg?
Ich weiß es nicht.. ich kann nur da sein!

... link (0 Kommentare)   ... comment