Mittwoch, 23. September 2015
Verantwortung für ein anderes Leben tragen
mata, 12:25h
Warum schreibe ich heute mal wieder.. so lange habe ich hier nicht geschrieben.
Ging es meinem Mann besser? Nein , nicht wirklich, aber es gab immer wieder Hoffnung. Die Umschulung, auf die er sich so gefreut hatte, die seine ganze Hoffnung war... sie wird nicht unterstützt.
Die Rentenversicherung hat ihn genau genommen kaputt geschrieben... keine körperlich anstrengenden Arbeiten, nicht in Höhe, nicht auf Leitern, nicht im Außendienst, nicht in Schichtdienst, nicht bei Temperaturschwankungen, nicht bei Nässe oder Kälte, nicht in stressigen Situationen, nicht in verantwortungsvollen Positionen mit Verantwortung für andere Menschen...
Ich bin kein völliger Experte, aber ich habe in der Vermittlung behinderter Personen in Arbeit zu tun gehabt... was soll er denn arbeiten? Frührente, um zu Hause zu sitzen und einen Flaskbackfilm nach dem anderen fahren? Hinzu kommt die Angst, die er hat, sich in neue Berufe zu wagen, neues zu lernen. Seinem Kopf traut er keine neuen Aufgaben zu. Der Kopf ist für ihn kaputt.
Als es ihm dann so schlecht ging, eröffnete er mir, dass er bereits ein oder zweilmal über Suizid nachgedacht hat... sich einfach aus dem Leben zu löschen..........................
Mit dem Wissen darf ich nun also weiter leben. Von diesen Momenten habe ich nichts bemerkt. Er wirkte auf mich wie immer, zeitweise machte er den Eindruck sich besser zu fühlen.
Sport macht er nicht, eigentlich macht er nur selten irgendwas. Meistens hängt er am Handy.. schreibt in den sozialen Netzwerken mit anderen Betroffenen. Es hält ihn, so wie er sagt, ein bischen oben, dass es anderen noch schlechter geht und andere noch mehr verloren haben.
Die Kinder beschweren sich, der Papa sitze immer vorm Handy.
Ich beschwere mich nun nicht mehr viel.. alles was ich sage bringt ihn aus seiner inneren Ruhe. Ich will nicht im Mittelpunkt stehen, aber ich tue es.
Streiten wir, dann denkt er an Suizid. Äußere ich Kritik, dann macht er sich selber nieder. Eine normale Beziehung ist doch gar nicht mehr möglich.
Es ist doch so normal auch mal zu streiten, anderer Meinung zu sein.. sich auszutauschen...
Ich gucke keinen Tatort mehr, zu viele Tote... über Nachrichten zu sprechen ist wie laufen auf rohen Eiern... kann immer die Angst schüren, dass es wieder Krieg gibt.
Er hat Angst um mich, wenn ich in großen Städten bin. Er hat Angst um mich, wenn ich Strßenbahn oder Zug fahre. Er hat Angst um mich, wenn ich mich unter Menschenmassen bewege. Er sieht überall die Gefahr, und er projeziert all das auf mich! Aber ICH habe keine Angst...
Ich kann mit ihm nicht mehr über die Demenzerkrankung meiner Oma sprechen.. obwohl mir das so sehr am Herzen liegt. Sie ist als Kriegskind selbst schwer an einer PTBS erkrankt, und erlebt die Kriegsjahre nun immer wieder von neuem. Wenn er das sieht, dann hat er Angst vor seiner Zukunft....
Ich bewege mich wie ein PingPongBall zwischen den ganzen Einschränkungen. Mit jedem "falschen" Thema bewegt er sich ein bischen weiter zurück in seine Welt.. die Welt der PTBS. Die Welt mit anderen Betroffenen, dabei reflektiert er sein eigenes Verhalten nicht.
Heute ist der Bundeswehr, ein hat ein Lotsengespräch und hofft auf eine Schutzfrist... damit er eine Therapie machen kann... sich wieder einfinden kann.
Ich traue mich nicht, den Gedanken zu wagen, dass die Therapie vielleicht nicht den gewünschten Erfolg haben wird. Was ist dann?
Inzwischen habe ich den Medikamentenschrank leer geräumt... Blutdruckmedikamente, Muskelrelaxatien, Opiate, Schmerzmittel. Vermutlich der Standartmedizinschrank eines PTBSkranken. Alle diese Mediakemte eignen sich zum Suizid... ich habe Hälfte versteckt.. als hätte ich ein drittes Kind.
Wenn er unterwegs ist, habe ich Angst, dass er sich etwas antut und nicht zurück kommt.
Soll ich Hilfe wagen, kann ich ihn so sehr bevormunden, dass ich Hilfe einschalte?! Wann ist der richtige Zeitpunkt? Wann ist es zu spät?
Er hatte mir immer geschworen, dass er nicht über Selbstmord nachdenke... aber nun ist das anders. Nun hat er darüber nachgedacht... und mit der Verantwortung muß ich nun leben.
Verantwortung für sein eigenes Leben übernimmt mein Mann schon lange nicht mehr.........
Ging es meinem Mann besser? Nein , nicht wirklich, aber es gab immer wieder Hoffnung. Die Umschulung, auf die er sich so gefreut hatte, die seine ganze Hoffnung war... sie wird nicht unterstützt.
Die Rentenversicherung hat ihn genau genommen kaputt geschrieben... keine körperlich anstrengenden Arbeiten, nicht in Höhe, nicht auf Leitern, nicht im Außendienst, nicht in Schichtdienst, nicht bei Temperaturschwankungen, nicht bei Nässe oder Kälte, nicht in stressigen Situationen, nicht in verantwortungsvollen Positionen mit Verantwortung für andere Menschen...
Ich bin kein völliger Experte, aber ich habe in der Vermittlung behinderter Personen in Arbeit zu tun gehabt... was soll er denn arbeiten? Frührente, um zu Hause zu sitzen und einen Flaskbackfilm nach dem anderen fahren? Hinzu kommt die Angst, die er hat, sich in neue Berufe zu wagen, neues zu lernen. Seinem Kopf traut er keine neuen Aufgaben zu. Der Kopf ist für ihn kaputt.
Als es ihm dann so schlecht ging, eröffnete er mir, dass er bereits ein oder zweilmal über Suizid nachgedacht hat... sich einfach aus dem Leben zu löschen..........................
Mit dem Wissen darf ich nun also weiter leben. Von diesen Momenten habe ich nichts bemerkt. Er wirkte auf mich wie immer, zeitweise machte er den Eindruck sich besser zu fühlen.
Sport macht er nicht, eigentlich macht er nur selten irgendwas. Meistens hängt er am Handy.. schreibt in den sozialen Netzwerken mit anderen Betroffenen. Es hält ihn, so wie er sagt, ein bischen oben, dass es anderen noch schlechter geht und andere noch mehr verloren haben.
Die Kinder beschweren sich, der Papa sitze immer vorm Handy.
Ich beschwere mich nun nicht mehr viel.. alles was ich sage bringt ihn aus seiner inneren Ruhe. Ich will nicht im Mittelpunkt stehen, aber ich tue es.
Streiten wir, dann denkt er an Suizid. Äußere ich Kritik, dann macht er sich selber nieder. Eine normale Beziehung ist doch gar nicht mehr möglich.
Es ist doch so normal auch mal zu streiten, anderer Meinung zu sein.. sich auszutauschen...
Ich gucke keinen Tatort mehr, zu viele Tote... über Nachrichten zu sprechen ist wie laufen auf rohen Eiern... kann immer die Angst schüren, dass es wieder Krieg gibt.
Er hat Angst um mich, wenn ich in großen Städten bin. Er hat Angst um mich, wenn ich Strßenbahn oder Zug fahre. Er hat Angst um mich, wenn ich mich unter Menschenmassen bewege. Er sieht überall die Gefahr, und er projeziert all das auf mich! Aber ICH habe keine Angst...
Ich kann mit ihm nicht mehr über die Demenzerkrankung meiner Oma sprechen.. obwohl mir das so sehr am Herzen liegt. Sie ist als Kriegskind selbst schwer an einer PTBS erkrankt, und erlebt die Kriegsjahre nun immer wieder von neuem. Wenn er das sieht, dann hat er Angst vor seiner Zukunft....
Ich bewege mich wie ein PingPongBall zwischen den ganzen Einschränkungen. Mit jedem "falschen" Thema bewegt er sich ein bischen weiter zurück in seine Welt.. die Welt der PTBS. Die Welt mit anderen Betroffenen, dabei reflektiert er sein eigenes Verhalten nicht.
Heute ist der Bundeswehr, ein hat ein Lotsengespräch und hofft auf eine Schutzfrist... damit er eine Therapie machen kann... sich wieder einfinden kann.
Ich traue mich nicht, den Gedanken zu wagen, dass die Therapie vielleicht nicht den gewünschten Erfolg haben wird. Was ist dann?
Inzwischen habe ich den Medikamentenschrank leer geräumt... Blutdruckmedikamente, Muskelrelaxatien, Opiate, Schmerzmittel. Vermutlich der Standartmedizinschrank eines PTBSkranken. Alle diese Mediakemte eignen sich zum Suizid... ich habe Hälfte versteckt.. als hätte ich ein drittes Kind.
Wenn er unterwegs ist, habe ich Angst, dass er sich etwas antut und nicht zurück kommt.
Soll ich Hilfe wagen, kann ich ihn so sehr bevormunden, dass ich Hilfe einschalte?! Wann ist der richtige Zeitpunkt? Wann ist es zu spät?
Er hatte mir immer geschworen, dass er nicht über Selbstmord nachdenke... aber nun ist das anders. Nun hat er darüber nachgedacht... und mit der Verantwortung muß ich nun leben.
Verantwortung für sein eigenes Leben übernimmt mein Mann schon lange nicht mehr.........
... comment