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Sonntag, 31. Januar 2016
erste kleine Veränderungen?
Zwar ist es in mir immernoch ein auf und ab, die Kinder erproben die neuen Grenzen und Regeln und sind daher recht fordernd... aber im großen und ganzen bin ich stabiler. Denke ich.
Heute Nacht hatte ich wieder Alpträume, fühle immernoch die Angst meinen Mann zu verlieren. Warum tut es so weh? Habe ich als Scheidungskind so große Verlustängste? Oder ist es doch, weil ER einfach der richtige war/ist? Ich kann es nicht beantworten. Ich wünsche mir so sehr eine therapeutische Meinung dazu. Mein Gefühlschaos ist unbeschreiblich. Aber ich freue mich für meinen Mann, dass er kleine Fortschritte macht.
Wir telefonieren meist täglich, auch wenn der Wunsch danach fast immer von mir kommt. Heute nacht hatte er schlimmer Alpträume, war wieder im Einsatz im Kosovo. Es sind eigentlich immer die selben unsortierten Bilder, die ihn verfolgen. Er liest nun das Buch " Wenn der Krieg nicht endet" und erfährt dort, wie andere Betroffene Soldaten, aber auch Angehörige mit der Erkrankung umgehen. Er sagt auch, die meisten wünschen sich nach der Therapie einen totalen Neuanfang.. ein neues Leben. Das wünscht er sich auch. Noch sagt er, dass ich dabei eine Rolle spiele... ich denke, dass wird sich im Laufe der Therapie ändern. Er öffnet sich neuen Leuten gegenüber.... Menschen, die ihn akzeptieren. Das tue ich auch, aber das scheint er nicht zu sehen.

Nächstes Wochenende möchte er uns sehen, ich habe entschieden die Kinder mit einer neutralen Person zu ihm zu lassen.... ich mag ihn auch sehen, sehr gern sogar. Aber ohne die Kinder. Die Kinder wünschen sich den Papa. Den sollen sie auch sehen und bekommen. Ich wünsche mir meinen Mann. Die Kinder würden jede Regung, egal wie sie aussehen mag, zwischen uns beobachten. Ich will in ihnen keine Hoffnung wecken, die wir ihnen grad nicht bieten können. Dazu ist mir alles zu unsicher.

Neuanfang. Wo? Ich weiß es nicht. Will er das nach der Therapie auch noch? Und vor allem Wie..?

Ich muß zugeben, die letzten Wochen/Tage haben mich traumatisiert. Ich kann meine Emotionen nicht kontrollieren, ich erlebe die letzten Wochen immer und immer wieder, kann die Filme nicht steuern. Ich muß trennen, zwischen Vernunft und Schwachsinn. Zwischen Kopf und Herz. Nur wenn ich das trenne, fühle ich mich sicher und kann die Situation kontrollieren. Aber mein Mann hat es über die vielen Jahren geschafft, mein Konzept aufzulösen. Er hat sich in mein Herz gekämpft. Und alle meine vorherigen Partner wissen, dass das nicht oft gelingt. Liebe.. was ist das eigentlich?
Für mich ist es die Mischung aus Freundschaft, Vertrauen, Vertrautheit, Sex und gemeinsame Erlebnisse. Unser gemeinsames Leben war schon immer ein auf und ab. Aber in einem waren wir uns immer sicher : Das WIR zusammen halten.
Er sagt, er glaubt an uns. Dabei klingt er unsicher. Klar ist, die Telefonate tun inzwischen gut. Sie lassen ein Gefühl der Normalität entstehen. Aber was ist schon normal.

Mein Mann berichtet nun immer häufiger, wenn auch in Bruchstücken von Erlebnissen aus dem Kosovo. Das fing schon vor ca 2 Monaten an.... ICH denke, dass das gut ist, bin da aber sehr unsicher. Ich empfinde es als Fortschritt, wenn man Worte finden kann, für das, was unfassbar war. Ich habe schon einige Geschichten gehört. Vor kurzem las ich von einem KosovoVeteranen, der schlimmste Bilder verarbeiten musste. Diese Bilder waren auch für mich das erste mal so schlimm, dass ich sie kaum in eigene, schonendere Worte fassen kann. Darum freue ich mich über jedes Erlebnis, was mein Mann erzählt. Interessant dabei ist, dass er immer sagt : Die Situation mit.... ! Als ob ich die Situationen kennen würde. Aber ich kenne diese neuen Situationen nicht. Jedenfalls nicht von ihm. Ich recherchiere diese Situationen nach, um sie verstehen zu können und den Bildern Zeit und Raum geben zu können. Heute ist der Kosovo-Krieg in vielen Bereichen zu finden, viele Dinge und Situationen aus der Anfangszeit sind im Internet zu finden. So ließen sich die Bilder sortieren, aber will er das? Ist das gefährlich oder gut?
Er sagte gester, dass es ihm nun weh tut, dass ich ihn so krank nicht zu Hause haben will. Er versteht aber inzwischen, auch dank dem Buch, warum ich das nicht mehr will.

Und aufeinmal erwähnt er sexuelles Verlangen... das kann ich nun überhaupt nicht zuordnen. Mein Mann war immer respektvoll in der Beziehung. Er kennt meine Geschichte und er versteht mich normal. Ich habe ihm heute gesagt, dass die größte Verletzung nun war, dass er mit mir geschlafen hat, obwohl er nichts mehr fühlte. Ich habe mir vor 20 Jahren geschworen, dass nur ICH bestimme, wer Sex ohne Gefühl mit mir haben darf. Für solche Momente will ich die Kontrolle!! Die habe ich einmal verloren und das will ich nie wieder erleben. Das war immer mein Grundsatz und gegen den hat er verstoßen... unbeabsichtigt. Und gerade ist es das erste mal, dass ich über mein Erlebnis schreibe.........
Ich habe in den letzten Wochen noch mehr abgenommen, seit dem Zusammenbruch in der Kur geht das Gewicht abwärts.. sport hilft mir beim Verarbeiten und essen fällt mir schwer. Als ich ihm heute erzählte, dass ich beim Schwimmen mit den Kindern gestern angebaggert wurde, antortete er : Das ist weil du so toll aussiehst und eine so tolle Figur hast. Das fühlt sich toll an, sowas zu hören.. aber wie passt das in sein Gefühlsleben. Mir fehlt zärtlichkeit und Liebe, die können mir meine Freunde an der Stelle nicht geben. Er sagte, daran hätte er noch nicht gedacht in der Klinik.. und beendet das Gespräch mit dem Wunsch nach einem Nacktbild... was ich verneinte. Ich kann das alles nicht zusammenordnen.
Aber immerhin gibt es irgendwelche Reaktionen und Vorgänge im Kopf und Körper meines Mannes, das war in den letzten Monaten nicht mehr möglich.
Nächste Woche soll mit dem "inneren Kind" eine Stabilisierung angefangen werden. Ich bin skeptisch, da seine Kindheit schwierig war und er unter umständen mit weiteren Traumatisierungen konfrontiert wird. Und noch ist er nicht in seiner Wunschklinik....
Ich drücke ihm sehr die Daumen!

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