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Montag, 15. Februar 2016
viele Veränderungen, nicht alles ist gold
mata, 23:17h
Nun habe ich 2 Wochen tatsächlich nucht geschrieben. Und in dieser Zeit ist viel passiert.
Vor 2 Wochen wurde mein Mann in seine Wunschklinik verlegt. Vor ca 1 Woche haben wir uns dann das erste mal getroffen. Am Dienstag Abend, ohne die Kinder, in der Klinik. Die Klinik ist eine Fachklinik für PTBS- mit besonderer Erfahrung im Umgang mit Soldaten. Dort wird die Traumatehrapie nach Luise Reddemann angewandt. Die Klinik ist ca 30 Minuten Fahrtzeit von uns entfernt, was sich bis heute als Vorteil erweist.
Ich kam also zu der Klinik, die weit außerhalb der Großstadt liegt.. eine Klinik mit Tradition und Geschichte-positiv, wie auch negativ.. aber über die Grenzen bekannt. Mein Magen drehte sich mehrfach. Als ich durch den Eingang ging, kamen mir offensichtlich Besucher der ebenfalls dorrt untergebrachten Substanzambulanz entgegen- ohne Fachchinesisch, es kamen mir Drogenkonsumenten und Alkoholsüchtige entgegen. Mein Mann nahm mich dort in empfang, er war genau so angepsannt wie ich. Er begleitete mich durch kalte verwinkelte Flure, vorbei an der Pathologie in einen sehr alten Trackt.. mit engen Fluren und noch kleineren Zimmern. Die zumeist männlichen Pfleger begrüßten mich kurz im Vorbeigehen.."Zimmer 4"... Das Zimmer ist ca 7-9 qm klein, dort stehen 2 Betten, ein Schrank, ein Tisch und ein Waschbecken.. 2 Stühle dienen den Männern als Ablagefläche. Wo soll man sich setzen? Es blieb nur das Bett. Auf diesem saßen wir nun verkrampft, versuchten eine "normale" Unterhaltung zu führen. Ich fühlte mich wahnsinnig unwohl, wollte dort nicht bleiben. Das erwähnte ich 2mal, blieb aber bei meinem Mann ungeachtet. Nach ca 2 Stunden fuhr ich wieder... am Boden zerstört. Auf der einen Seite war es schön ihn zu sehen, auf der anderen Seite war alles so weit weg von "Normal". Die Kinder könnten dort niemals hin.. wann er sich von dort weg traut.. unvorhersehbar. Er ist auf unbestimmte Zeit aufgenommen.
Einen Tag später trafen wir uns mit den Kindern. Mit Hund und Kindern holte ich meinen Mann ab und brachte ihn in ein Restaurant um die Ecke. Dort erzählte er mir, dass er wohl noch gar keinen hätte treffen sollen.. sagte man ihm heute. Also gab er vor, er würde einen Spaziergang machen, da er sich so sehr auf die Kinder gefreut hatte. Unser Sohn hatte inzwischen einen schweren Schub Nesselsucht und litt sichtlich. Im Restaurant kämpfte ich 2 Stunden gegen die Tränen. Wo war all mein Leben hin, was ich so sehr geliebt habe? Die Kinder nahmen das wahr, mein Mann nahm das wahr. Mama ist einfach immer traurig, sagte unser Sohn. "Mama kann nicht mehr lachen" sagte die Tochter. Sie sind doch noch so klein. Immernoch wusste ich nicht, wohin unser Weg gehen kann... einsam oder zweisam?
Am Wochenende wollte er Samstags nach Hause.. einen Tag. Ich sprach mit unserem besten Freund und wir machten aus, dass wir (Kids und ich) erst meinen Mann abholen, gemeinsam spazieren gehen und uns dann zum Kaffee bei unseren Freunden treffen wollten. Zu Hause ist ein schwerer Gang für meinen Mann, denn hier wohnt auch sein Vater... eine Beziehung, die sich im Verlauf der Therapie noch als schwierig herausstellen wird.
So holten wir ihn also erst ab, fuhren in den Wald, wo Kids, Hund und wir beide spazieren gingen. Vorsichtig näherten wir uns ein wenig an... schon am Restaurant hatten wir uns geküsst.
Im Wald nahm mein Mann meine Hand. Am Auto küssten wir uns. Bei unseren Freunden bemerkte ich dann, dass mein Mann von deren kleiner Tochter immer wieder getriggert wurde... zusätzlich war es dort mit den Kindern und mit 4 Erwachsenen recht laut.. mein Mann dissozierte immer wieder. Er nahm sich raus. Das kannte ich schon, die Klinik stellte das auch schnell fest und in mir wuchs wieder der Verdacht - Multiple Persönlichkeit bzw DIS Dissoziative Identitätsstörung.
Sonntag holte ich meinen Mann wieder ab, er wollte unbedingt mit mir das Bad tapezieren. Dort ging er ein wenig in der Arbeit auf. In Ihm mischten sich Gefühle von Normalität, aber auch von Scham und Schuld. An diesem Nachmittag hatten wir Sex. Und am Montag fiel ich in ein tiefes Loch. Das so Normale Wochenende hatte die Erinnerungen an die schöne Zeit geweckt. Der immernoch herabgesetzte Ehering erinnerte an die Realität. Wie konnte es nur weiter gehen? Zudem machte sich wieder meine Endometriose bemerkbar.. ich hatte Schmerzen. Dienstag hatten wir ausgemacht treffen wir uns nun immer ohne Kids, abend kurz in der Klinik. An den Wochenenden sollte ich ihn tagsüber holen. Doch am Dienstag merkte ich, wie es mir schlechter und schlechter ging... ich wurde mit der Situation nicht fertig. Ich soll normalität zeigen, ihm zeigen, dass ich da bin.. dabei ist es alles andere als Normal. Ich versuchte mich zu beruhigen, ihn nichts spüren zu lassen... versuchte den Pfarrer zu erreichen, den Krisendienst, die Psychologin der Militärkirche, die Sozialarbeiterin der Bundeswehr... niemand war kurzfristig greifbar... ich merkte, wie der innerliche Druck größer und größer wurde. Er entlud sich in einem völlig aufgelösten Anruf bei meinem Mann. Ich sehnte mich so sehr nach Hilfe, nach professioneller Unterstützung, nach einer neutralen Einschätzung. Es gab sie nicht! Immer wieder hämmerte sich in meinem Kopf ein, "Du bist auch nur ein Mensch"!!!!
Was sollte ich tun? In diesem Zustand zu meinem Mann in die Klinik fahren, wie abgesprochen? Das konnte und wollte ich nicht... er wünschte es sich so sehr. Was dann passierte blieb zum Glück bisher einmalig... ich mußte den Druck und die Leere loswerden und tat etwas, was ich seit meinem 21. Lebensjahr nicht mehr getan hatte... ich ritzte an meinen Armen. Nicht bis zum Blut.. nur bis zum Schmerz... und es wirkte wie damals... es beruhigte mich. Wer schmerzen spürt, der spürt etwas, der lebt. So beruhigte ich mich. Die Kinder bekamen nichts mit.. und es weiß auch niemand, dass das passiert ist. Da man die Striemen noch 1-2 Tage sehen konnte, trug ich einen dicken Wollpullover mit langen Ärmeln, das fällt im Winter nicht auf. Ohne meinem Mann Bescheid zu sagen, fuhr ich in die Klinik.. ... wie ich es ihm versprochen hatte. "Ich lasse dich nicht allein" hatte ich ihm versprochen!!
Als ich an der Pathologie stand, erreichte mich seine Sims "Kommst du denn?" fragte er sehr vorsichtig. "Eine Schwester hat gleich Zeit für uns und spricht mal mit uns zusammen... dann kannst du mal reden"... Eine Minute später stand ich auf der Station.
Die Schwester war sehr nett und nahm sich ganz in Ruhe Zeit für uns. Besonders der Stand unserer Beziehung belastete mich stark. Am Morgen hatte ich den Ehering aufgesetzt mit der inneren Feststellung "Wenn sich das nun blöd anfühlt oder falsch, dann ist die Beziehung am Ende". Aber es hatte sich den ganzen Tag nicht falsch angefühlt, es gab mir Sicherheit. Die Schwester konnte irgendwie einen gemeinsamen Zeichenvorrat zwischen meinem Mann und mir schaffen... sie konnte in Worte fassen, was er nicht sagen konnte. Und sie konnte erklären, in welcher Belastung ich stand. Das Gespräch tat mir wahnsinnig gut.
An diesem Abend passierte ein entscheidender Wandel. Unsere Ehe war geklärt. Wir liebten uns, das konnte mein Mann auch wieder sagen.. und zeitgleich hatte ich verstanden, warum er so war. Wer Emotionen unterdrückt, der ist für alle fremden empfänglich und hilfsbereit.... aber die Liebe ist mit eventuellem Schmerz und Verlassensein verbunden, die Liebe kann weh tun.. und darum wird sie ausgeschaltet.
Im Laufe seinem Lebens ist mein Mann schon als Kind traumatisiert worden, ist immer wieder verlassen worden. Wenn es ihm an schlechtesten ging, haben ihn alle allein gelassen. Und nun hatte er Angst, dass ich das selbe tue. Der Ring an meinem Finger hat ihm gezeigt, dass ich an ihn und uns glaube und hat ihn geöffnet. Und diese Öffnung hat mich verstehen lassen, was in ihm los war. Nicht in allen Punkten verstehe ich es.. aber ich verstehe, dass er mich liebt und ich für die wichtig bin. Lebenswichtig zur Zeit!
Samstag waren die Kinder bei der Oma, ich holte ihn morgens ab, wir frühstückten zusammen.. kuschelten, schliefen miteinander, kuschelten... der Tag hätte ewig so weiter gehen können. Ich sah meinen Mann lachen, wie seit Monaten nicht mehr.
Danach fuhren wir noch in ein großes Möbelhaus, um das Bad endlich zu vervollständigen. Sowas machte er immer gern. Dort war es voll.. Menschen aus allen Nationen tümmelten sich.. und mein Mann war angespannt. Auf Atemtechniken ließ er sich nicht ein.... versuchte die Situation schnellstmöglich zu verlassen. Als wir draußen im Auto saßen diossozierte er... diesmal zumindest so, dass ich etwas ahnte. Als er zurück kam, sagte er "da wa rich weg"... ich bat ihn, das aufzuschreiben, da er normalerweise nicht realisiert, dass er dissoziiert. Er gestand mir, dass es Phasen gibt, in denen er nicht weiß. wie er von A nch B gekommen ist und warum er da ist. Er hat zeitliche Lücken, die er sich nicht erklären kann.... und wieder vermute ich die DIS- multiple Persönlichkeiten. Er passt ins Schema.. vieles erklärt sich damit. Das könnte der Grund sein, warum er manchmal so verletztend und gemein zu mir war: Sein Beschützer hatte Angst vor Verlassensein und zum Schutz verletzte er mich, bevor ich es tun konnte.
Es klingt verwirrend, aber ich denke, es zu verstehen.
Am Sonntag ging es mir dank Endometriose wieder sehr schlecht.. trotzdem holte ich ihn nach Hause. Er spielte mit den Kindern, baute Möbel mit Ihnen zusammen... mehr passierte nicht. Und er lernte, dass ich ein Mensch bin, der auch eigene Probleme hat und nicht immer Stütze sein kann... aber trotzdem da ist und ihn nicht allein lässt.
Nach diesen Wochenenden bin ich fertig.... ziemlich abgekämpft und müde. Heute telefonierten wir kurz. Er bekommt Dissoziationen nicht mit, hat Gedächtnislücken, ist zeitlich völig desorietiert... und ich frage mich, wie man mit jemandem, der eine mulitple Persönlichkeit hat, zusammen leben kann.
Die Therapie wird Jahre dauern, so viel steht für mich fest. Die Bundeswehr macht Zicken zu der Wiedereinstellung... das Krankengeld läuft kein Jahr mehr....
Mein Kurantrag zur Mutter-Kind-Kur ist nun weg, genau so die Anmeldung zur Familienerholung für Soldatenfamilien... woher soll all diese Kraft, die ich brauche kommen? Will er dieses Faß aufmachen? Will er mit dem, was die Therapie vermutlich zu Tage fördert, leben? Oder schämt er sich so sehr, dass er mir nicht mehr in die Augen sehen kann?
Wird es jemals wieder Normalität geben?
Vor 2 Wochen wurde mein Mann in seine Wunschklinik verlegt. Vor ca 1 Woche haben wir uns dann das erste mal getroffen. Am Dienstag Abend, ohne die Kinder, in der Klinik. Die Klinik ist eine Fachklinik für PTBS- mit besonderer Erfahrung im Umgang mit Soldaten. Dort wird die Traumatehrapie nach Luise Reddemann angewandt. Die Klinik ist ca 30 Minuten Fahrtzeit von uns entfernt, was sich bis heute als Vorteil erweist.
Ich kam also zu der Klinik, die weit außerhalb der Großstadt liegt.. eine Klinik mit Tradition und Geschichte-positiv, wie auch negativ.. aber über die Grenzen bekannt. Mein Magen drehte sich mehrfach. Als ich durch den Eingang ging, kamen mir offensichtlich Besucher der ebenfalls dorrt untergebrachten Substanzambulanz entgegen- ohne Fachchinesisch, es kamen mir Drogenkonsumenten und Alkoholsüchtige entgegen. Mein Mann nahm mich dort in empfang, er war genau so angepsannt wie ich. Er begleitete mich durch kalte verwinkelte Flure, vorbei an der Pathologie in einen sehr alten Trackt.. mit engen Fluren und noch kleineren Zimmern. Die zumeist männlichen Pfleger begrüßten mich kurz im Vorbeigehen.."Zimmer 4"... Das Zimmer ist ca 7-9 qm klein, dort stehen 2 Betten, ein Schrank, ein Tisch und ein Waschbecken.. 2 Stühle dienen den Männern als Ablagefläche. Wo soll man sich setzen? Es blieb nur das Bett. Auf diesem saßen wir nun verkrampft, versuchten eine "normale" Unterhaltung zu führen. Ich fühlte mich wahnsinnig unwohl, wollte dort nicht bleiben. Das erwähnte ich 2mal, blieb aber bei meinem Mann ungeachtet. Nach ca 2 Stunden fuhr ich wieder... am Boden zerstört. Auf der einen Seite war es schön ihn zu sehen, auf der anderen Seite war alles so weit weg von "Normal". Die Kinder könnten dort niemals hin.. wann er sich von dort weg traut.. unvorhersehbar. Er ist auf unbestimmte Zeit aufgenommen.
Einen Tag später trafen wir uns mit den Kindern. Mit Hund und Kindern holte ich meinen Mann ab und brachte ihn in ein Restaurant um die Ecke. Dort erzählte er mir, dass er wohl noch gar keinen hätte treffen sollen.. sagte man ihm heute. Also gab er vor, er würde einen Spaziergang machen, da er sich so sehr auf die Kinder gefreut hatte. Unser Sohn hatte inzwischen einen schweren Schub Nesselsucht und litt sichtlich. Im Restaurant kämpfte ich 2 Stunden gegen die Tränen. Wo war all mein Leben hin, was ich so sehr geliebt habe? Die Kinder nahmen das wahr, mein Mann nahm das wahr. Mama ist einfach immer traurig, sagte unser Sohn. "Mama kann nicht mehr lachen" sagte die Tochter. Sie sind doch noch so klein. Immernoch wusste ich nicht, wohin unser Weg gehen kann... einsam oder zweisam?
Am Wochenende wollte er Samstags nach Hause.. einen Tag. Ich sprach mit unserem besten Freund und wir machten aus, dass wir (Kids und ich) erst meinen Mann abholen, gemeinsam spazieren gehen und uns dann zum Kaffee bei unseren Freunden treffen wollten. Zu Hause ist ein schwerer Gang für meinen Mann, denn hier wohnt auch sein Vater... eine Beziehung, die sich im Verlauf der Therapie noch als schwierig herausstellen wird.
So holten wir ihn also erst ab, fuhren in den Wald, wo Kids, Hund und wir beide spazieren gingen. Vorsichtig näherten wir uns ein wenig an... schon am Restaurant hatten wir uns geküsst.
Im Wald nahm mein Mann meine Hand. Am Auto küssten wir uns. Bei unseren Freunden bemerkte ich dann, dass mein Mann von deren kleiner Tochter immer wieder getriggert wurde... zusätzlich war es dort mit den Kindern und mit 4 Erwachsenen recht laut.. mein Mann dissozierte immer wieder. Er nahm sich raus. Das kannte ich schon, die Klinik stellte das auch schnell fest und in mir wuchs wieder der Verdacht - Multiple Persönlichkeit bzw DIS Dissoziative Identitätsstörung.
Sonntag holte ich meinen Mann wieder ab, er wollte unbedingt mit mir das Bad tapezieren. Dort ging er ein wenig in der Arbeit auf. In Ihm mischten sich Gefühle von Normalität, aber auch von Scham und Schuld. An diesem Nachmittag hatten wir Sex. Und am Montag fiel ich in ein tiefes Loch. Das so Normale Wochenende hatte die Erinnerungen an die schöne Zeit geweckt. Der immernoch herabgesetzte Ehering erinnerte an die Realität. Wie konnte es nur weiter gehen? Zudem machte sich wieder meine Endometriose bemerkbar.. ich hatte Schmerzen. Dienstag hatten wir ausgemacht treffen wir uns nun immer ohne Kids, abend kurz in der Klinik. An den Wochenenden sollte ich ihn tagsüber holen. Doch am Dienstag merkte ich, wie es mir schlechter und schlechter ging... ich wurde mit der Situation nicht fertig. Ich soll normalität zeigen, ihm zeigen, dass ich da bin.. dabei ist es alles andere als Normal. Ich versuchte mich zu beruhigen, ihn nichts spüren zu lassen... versuchte den Pfarrer zu erreichen, den Krisendienst, die Psychologin der Militärkirche, die Sozialarbeiterin der Bundeswehr... niemand war kurzfristig greifbar... ich merkte, wie der innerliche Druck größer und größer wurde. Er entlud sich in einem völlig aufgelösten Anruf bei meinem Mann. Ich sehnte mich so sehr nach Hilfe, nach professioneller Unterstützung, nach einer neutralen Einschätzung. Es gab sie nicht! Immer wieder hämmerte sich in meinem Kopf ein, "Du bist auch nur ein Mensch"!!!!
Was sollte ich tun? In diesem Zustand zu meinem Mann in die Klinik fahren, wie abgesprochen? Das konnte und wollte ich nicht... er wünschte es sich so sehr. Was dann passierte blieb zum Glück bisher einmalig... ich mußte den Druck und die Leere loswerden und tat etwas, was ich seit meinem 21. Lebensjahr nicht mehr getan hatte... ich ritzte an meinen Armen. Nicht bis zum Blut.. nur bis zum Schmerz... und es wirkte wie damals... es beruhigte mich. Wer schmerzen spürt, der spürt etwas, der lebt. So beruhigte ich mich. Die Kinder bekamen nichts mit.. und es weiß auch niemand, dass das passiert ist. Da man die Striemen noch 1-2 Tage sehen konnte, trug ich einen dicken Wollpullover mit langen Ärmeln, das fällt im Winter nicht auf. Ohne meinem Mann Bescheid zu sagen, fuhr ich in die Klinik.. ... wie ich es ihm versprochen hatte. "Ich lasse dich nicht allein" hatte ich ihm versprochen!!
Als ich an der Pathologie stand, erreichte mich seine Sims "Kommst du denn?" fragte er sehr vorsichtig. "Eine Schwester hat gleich Zeit für uns und spricht mal mit uns zusammen... dann kannst du mal reden"... Eine Minute später stand ich auf der Station.
Die Schwester war sehr nett und nahm sich ganz in Ruhe Zeit für uns. Besonders der Stand unserer Beziehung belastete mich stark. Am Morgen hatte ich den Ehering aufgesetzt mit der inneren Feststellung "Wenn sich das nun blöd anfühlt oder falsch, dann ist die Beziehung am Ende". Aber es hatte sich den ganzen Tag nicht falsch angefühlt, es gab mir Sicherheit. Die Schwester konnte irgendwie einen gemeinsamen Zeichenvorrat zwischen meinem Mann und mir schaffen... sie konnte in Worte fassen, was er nicht sagen konnte. Und sie konnte erklären, in welcher Belastung ich stand. Das Gespräch tat mir wahnsinnig gut.
An diesem Abend passierte ein entscheidender Wandel. Unsere Ehe war geklärt. Wir liebten uns, das konnte mein Mann auch wieder sagen.. und zeitgleich hatte ich verstanden, warum er so war. Wer Emotionen unterdrückt, der ist für alle fremden empfänglich und hilfsbereit.... aber die Liebe ist mit eventuellem Schmerz und Verlassensein verbunden, die Liebe kann weh tun.. und darum wird sie ausgeschaltet.
Im Laufe seinem Lebens ist mein Mann schon als Kind traumatisiert worden, ist immer wieder verlassen worden. Wenn es ihm an schlechtesten ging, haben ihn alle allein gelassen. Und nun hatte er Angst, dass ich das selbe tue. Der Ring an meinem Finger hat ihm gezeigt, dass ich an ihn und uns glaube und hat ihn geöffnet. Und diese Öffnung hat mich verstehen lassen, was in ihm los war. Nicht in allen Punkten verstehe ich es.. aber ich verstehe, dass er mich liebt und ich für die wichtig bin. Lebenswichtig zur Zeit!
Samstag waren die Kinder bei der Oma, ich holte ihn morgens ab, wir frühstückten zusammen.. kuschelten, schliefen miteinander, kuschelten... der Tag hätte ewig so weiter gehen können. Ich sah meinen Mann lachen, wie seit Monaten nicht mehr.
Danach fuhren wir noch in ein großes Möbelhaus, um das Bad endlich zu vervollständigen. Sowas machte er immer gern. Dort war es voll.. Menschen aus allen Nationen tümmelten sich.. und mein Mann war angespannt. Auf Atemtechniken ließ er sich nicht ein.... versuchte die Situation schnellstmöglich zu verlassen. Als wir draußen im Auto saßen diossozierte er... diesmal zumindest so, dass ich etwas ahnte. Als er zurück kam, sagte er "da wa rich weg"... ich bat ihn, das aufzuschreiben, da er normalerweise nicht realisiert, dass er dissoziiert. Er gestand mir, dass es Phasen gibt, in denen er nicht weiß. wie er von A nch B gekommen ist und warum er da ist. Er hat zeitliche Lücken, die er sich nicht erklären kann.... und wieder vermute ich die DIS- multiple Persönlichkeiten. Er passt ins Schema.. vieles erklärt sich damit. Das könnte der Grund sein, warum er manchmal so verletztend und gemein zu mir war: Sein Beschützer hatte Angst vor Verlassensein und zum Schutz verletzte er mich, bevor ich es tun konnte.
Es klingt verwirrend, aber ich denke, es zu verstehen.
Am Sonntag ging es mir dank Endometriose wieder sehr schlecht.. trotzdem holte ich ihn nach Hause. Er spielte mit den Kindern, baute Möbel mit Ihnen zusammen... mehr passierte nicht. Und er lernte, dass ich ein Mensch bin, der auch eigene Probleme hat und nicht immer Stütze sein kann... aber trotzdem da ist und ihn nicht allein lässt.
Nach diesen Wochenenden bin ich fertig.... ziemlich abgekämpft und müde. Heute telefonierten wir kurz. Er bekommt Dissoziationen nicht mit, hat Gedächtnislücken, ist zeitlich völig desorietiert... und ich frage mich, wie man mit jemandem, der eine mulitple Persönlichkeit hat, zusammen leben kann.
Die Therapie wird Jahre dauern, so viel steht für mich fest. Die Bundeswehr macht Zicken zu der Wiedereinstellung... das Krankengeld läuft kein Jahr mehr....
Mein Kurantrag zur Mutter-Kind-Kur ist nun weg, genau so die Anmeldung zur Familienerholung für Soldatenfamilien... woher soll all diese Kraft, die ich brauche kommen? Will er dieses Faß aufmachen? Will er mit dem, was die Therapie vermutlich zu Tage fördert, leben? Oder schämt er sich so sehr, dass er mir nicht mehr in die Augen sehen kann?
Wird es jemals wieder Normalität geben?
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