Samstag, 26. Juli 2014
Es ist nun 3 Uhr mitten in der Nacht...
.. und ich sitze am Computer.. warum?
Ich habe 2 Kinder und brauche eigentlich den Schlaf um mich zu erholen und stark zu sein. Doch es lässt mich nicht los und es lässt mich nicht schlafen.

.. ich habe 2 Kinder und einen eigentlich wundervollen Mann. Doch der leidet unter PTBS-Posttraumatische Belastungsstörung. Darüber findet man im Netz inzwischen einiges, doch die Angehörigen stehen meist hilflos daneben. Vor mehr als 15 Jahren wahr er Soldat, wollte Menschen helfen und lernte dass es im Krieg keine Gewinner und Verlierer gibt. Der Krieg ist grausam und schrecklich, Menschenrechte werden mit Füßen getreten, Kinder zu Schutzschildern und Waffen mißbraucht. Diese Erfahrung traumatisierte ihn sehr.

Als wir uns nur kurze Zeit später kennenlernten, war er leer und kaputt. Die Bundeswehr nennt es eine Überreaktion, und tut alles ab. Dienstzeit zu Ende, also fühlt sich die Bundeswehr 2000 nicht mehr zuständig. Soll sich die zivile Gesellschaft kümmern, aber die nimmt sich dem nicht an.. hat keine Erfahungen mit traumatisierten Soldaten in der heutigen Zeit.
Im Laufe der letzten fast 15 Jahre heiraten wir.. wir haben Kinder, ein Haus. Mein Mann fasst beruflich Fuß, ich kann mich und all meine Träume verwirklichen. Es scheint meinem Mann gut zu gehen. Die Bilder holen ihn nur selten ein, und er scheint diese Situationen unter Kontrolle zu haben.

Und auf einmal holt ihn nach fast 15 Jahren alles ein!
Wie konnte das passieren? Ich weiß es nicht. Und ich fühle mich schuldig.
Er war auf einem eigentlich harmlosen Kuraufenthalt, mein Gefühl war von Anfang an schlecht. Ich litt vom ersten Tag seiner Kur, irgendetwas in mir sagte, dass ginge nicht gut! Nichts wird mehr sein wie vorher. Obwohl wir schon häufiger durch Lehrgänge getrennt waren, diesmal war es anders.
Kilometerweit entfernt packte mein Körper alles aus, was Somatik zu bieten hat. Ein Ruhepuls von über 120, Herzrasen, innere Unruhe... Leider konnte ich das am Telefon nicht verbergen.. und belastete meinen Mann in der Kur nochmehr.

Aufeinmal holten ihn die Bilder ein, zahlreiche Trigger machten ihm das Leben zur Hölle. Wir telefonierten täglich, teils bis tief in die Nacht. Die Kur brach er ab, eigentlich freute ich mich darüber.
Ich hatte die Hoffnung, ihn so stützen zu können. Ich wollte ihm wieder sein vertrautes Familienbild bieten.

Doch wer wiederkam, war nicht mehr mein Mann. Es kam eine Person zurück, die innerlich völlig aufgewühlt war.. Anfangs half ihm die Nähe und er schien sich zu stabilisieren.. jedoch Arbeitsunfähig!

Er strebt eine ambulante Therapie an, fand nun auch eine Therapeutin die sich mit PTBS bei Soldaten auskennt.

Nun sind wir im hier und jetzt.
Ich habe nun einen Partner, der Gefühle nur oberflächlich äußern kann, jedoch nicht wirklich zeigt. Nicht mir gegenüber, nicht den Kindern gegenüber. Immerwieder versuche ich stark zu sein und ihn zu unterstützen. Aber auch meine Kräfte sind nun am Ende. Ich wünsche mir sooo sehr mein altes Leben zurück. Ich hatte alles, was ich brauchte. Einen Partner an meiner Seite, der meine innere Unruhe und den ständigen Wunsch nach Veränderung kannte und mich manchmal bremste, manchmal förderte. Ich hatte den Partner, mit dem ich bis an das Ende der Welt gehen konnte.

Nun bin ich allein. Ich fühle mich schuldig, habe Angst die PTBS ausgebuddelt zu haben, jahrelang nichts von seinem Leiden gemerkt zu haben. War ich jahrelang so auf mich konzentriert, dass ich nichts gemerkt habe?
Bin ich so egoistisch?
Tue ich so einem Menschen überhaupt gut?
Mein Leben wurde auf den Kopf gestellt, nichts ist mehr so, wie es war!
Mein Mann leidet, ich leide, die Kinder leiden.
Meinem Mann wird nun geholfen.. die Kinder und ich leiden weiter.

Mein Mann hat mich mal als Motor beschrieben, der immer die ganze Familie vorantreibt. Und als Sonne, die Licht in sein Leben gebracht hat.

Jetzt fühle ich mich schuldig und denke über eine Trennung nach. Was mein Mann nun sicher braucht, ist Ruhe... Zeit zu sich zu finden und Zeit sich mit seinem Problemen auseinander zu setzen.
Ich denke gerade, die falsche Partnerin an seiner Seite zu sein. Ich belaste ihn! Mit meiner inneren Unruhe...
Heute ist mein inneres zusammengebrochen. Seit 3 Wochen steht mein Leben Kopf!
Seit 3 Wochen kann ich mich tagsüber nicht mehr konzentrieren, sehe meine Kinder leiden, sehe meinen Mann leiden, sehe kein Vorankommen. Der geplante Urlaub ist abgesagt.. gibt es im nächsten Jahr überhaupt noch eine Familie? Ist es sinnvoller sich zu trennen, um ihm Ruhe zu gönnen?
Von Belastendem soll man sich trennen... Er meint er balastet uns.. dabei ist es gar nicht er!! Ich bin es!!
Ich belaste ihn mit meiner Art, mit meinem Leben!
Er findet keine Ruhe mit mir an der Seite.
Ich will ihn nicht im Stich lassen und wünsche mir soo sehr, ihm eine Stütze sein zu können. Aber die Schuldgefühle fressen mich auf.

Helfe ich ihm mit einer Trennung? Oder belaste ich ihn noch mehr? Woher soll ich die Kraft nehmen, das durchzustehen.. zusammen oder allein? Ich habe Verantwortung, für mich und vor allem für meine Kinder. Ich bin selber ein Scheidungskind, ich weiß wie sehr das Leben durch die Trennung der Eltern verändert wird!

Was ich mir wünsche, wäre eine Unterstützung für uns alle... für meinen Mann, um die PTBS in den Griff zu bekommen, für mich.. um Stark zu sein und diese elenden Schuldgefühle zu nehmen, die mich so erdrücken.. und für unsere Kinder, um mit den so wahnsinnig veränderten Eltern umgehen zu können. Doch diese Familienunterstützung gibt es nicht! Nicht im Zivilen Leben!

Jedem der mich fragt " Wie geht es dir?" möchte ich vor die Füße kotzen. Es geht mit schlecht. Und das schon seit Wochen! Und es ist kein Ende in Sicht!

Tun wir uns und unseren Kindern überhaupt noch gut so?? Stützen wir unseren Papa oder Schaden wir ihm??
Ich fühle mich so unglaublich leer! Wie soll es nur weitergehen?
Irgendetwas in mir sagt, ich sollte mich trennen! Um mich zu schützen, um die Kinder zu schützen und um IHM eine Chance zu geben!!!! Aber gleichzeitig fühle ich mich wieder schuldig, das nicht mit ihm durchstehen zu können, ihn so allein zu lassen, wie das schon alle anderen nach seiner Rückkehr vor 15 Jahren taten... Was bin ich nur für ein Mensch??

Da ich mit niemandem über meine Situation sprechen kann, und sie auch kaum jemand nachvollziehen kann, habe ich beschlossen hier im Blog zu schreiben!

Es ist nun 4 Uhr nachts... ich bin leer und hellwach... ich traue mich nicht zu schlafen, weil ich von meinen Schuldgefühlen zerfressen werde....

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